Vom Auenland bis nach „Moordor“, © © Bildagentur Huber / Andreas Keil
© © Bildagentur Huber / Andreas Keil

VOM AU­EN­LAND BIS NACH "MOORDOR"


Das Moor ist nicht nur ein wahrer Klimaheld, sondern auch Lebensraum seltener Insekten sowie Landeplatz tausender Kraniche. Oder stehen Sie mehr auf sattgrüne Hügel niedersächsischen Berglands, die an das Auenland erinnern?

Lebensraum Moor

Wenn am Morgen Nebelschwaden durchs Moor ziehen, herrscht eine mystische, geheimnisvolle Stimmung: Kühle und Stille. Deshalb wurden Moore in Vergangenheit in Gedichten und Sagen als schaurige Orte umschrieben. Spätestens wenn sich der Nebel lichtet und die Sonne ihre ganze Kraft entfaltet, lassen Moore aber eine über Jahrhunderte gewachsene, ursprüngliche Natur erkennen.

Eine hochspezialisierte Pflanzen- und Tierwelt ist hier erlebbar: Torfmoose, Sonnentau und Wollgras sind an die sauren Böden angepasst. Das Wollgras bietet je nach Moor im April, Mai oder Juni ein flauschiges Naturschauspiel. Die weißen Wattebäusche reichen soweit das Auge blicken kann. Ebenso bietet die Tierwelt verschiedene Höhepunkte, beispielsweise den Besuch durch tausende Kraniche im Frühjahr und im Herbst. Darüber hinaus finden auch seltene Insekten und Amphibien im Moor optimale Lebensbedingungen.

Heimischer Klimaheld

Moore entstehen dort, wo Regen oder Grundwasser den Untergrund dauerhaft nass halten. Der Boden ist hierdurch so sauerstoffarm, dass sich Pflanzenreste nicht vollständig zersetzen und Torf entsteht. Über die Jahre wächst die Torfschicht an. Dadurch haben Moore auch eine wichtige Bedeutung für den Klimaschutz, da sie große Mengen an Kohlenstoff speichern. Durch die Entwässerung von Mooren für die Umwandlung in Weide- und Ackerland sowie für den Torfabbau sind in der Vergangenheit viele Moorflächen verloren gegangen und gebundener Kohlenstoff wurde freigesetzt. Vielerorts werden Moore heute wiedervernässt, um die natürliche Moorbildung zu aktivieren. Auch Moorschnucken und Bentheimer Landschafe – Verwandte der Heidschnucken – werden mancherorts für die Pflege der Flächen eingesetzt. Sie verhindern das Heranwachsen großer Pflanzen, die dem Moor zu viel Wasser entziehen würden.

Niedersachsen ist das moorreichste Bundesland. Größere Moorflächen befinden sich vor allem im Westen und Norden. Neben dem Naturpark Dümmer bieten insbesondere der Naturpark Moor-Veenland, der Naturpark Wildeshauser Geest und der Naturpark Steinhuder Meer große geschützte Moorflächen. Außerhalb der Geestlandschaften gibt es nur vereinzelt Moore, z.B. im Nationalpark Harz und im Naturpark Solling-Vogler im Weserbergland.
 


Grüne Hügel

Täler, Äcker, Wiesen und bewaldete Erhebungen wechseln sich ab: Der Süden Niedersachsens ist geprägt durch das niedersächsische Bergland sowie den Harz. Diese ersten Höhenzüge der Mittelgebirgsschwelle bieten im Vergleich zum Tiefland einen Kontrast im Landschaftsbild. 
Die westlichsten Gebiete des Berglandes bilden das Wiehengebirge und der Teutoburger Wald um Osnabrück. Auf engem Raum kann hier die Erdgeschichte und ihr Einfluss auf Flora und Fauna erlebt werden. Präsentiert wird sie an verschiedenen Stationen und durch die Angebote des Natur- und Geoparks TERRA.vita. Weiter östlich sind die Höhenzüge und Täler oft ebenfalls Teil von Naturparks. Der nördlichste und größte von ihnen ist der Naturpark Weserbergland, in dem seltene Süntelbuchen wachsen. Südlich schließen sich der Naturpark Solling-Vogler im Weserbergland sowie der Naturpark Münden an. Ersterer umfasst mit dem Solling das flächenmäßig zweitgrößte Gebirge Niedersachsen und bietet beispielsweise seltenen Hutewald und ein Hochmoor. In Letzterem entspringt durch den Zusammenfluss von Werra und Fulda nicht nur die Weser, sondern es lassen sich an den Hängen auch vermehrt Streuobstwiesen finden. Generell dominieren im Bergland Laubwälder mit Buchen, Eichen und weiteren Laubbaumarten. An vielen Orten bieten die noch laubfreien Bäume Frühjahrsblühern zu Beginn des Jahres optimale Bedingungen und ein bunter Farbteppich überzieht den Waldboden.

Der Harz unterscheidet sich vom niedersächsischen Bergland durch deutlich höhere Lagen. Der Wurmberg, der höchste Berg Niedersachsens und der zweithöchste des Harzes, erreicht mit rund 971 Höhenmetern im Vergleich zur höchsten Erhebung im Bergland, der Großen Blöße, fast die doppelte Höhe. Zudem wurden die Natur und Landschaft vielerorts über Jahrhunderte durch den Bergbau geprägt. 


Mit der Oberharzer Wasserwirtschaft wurde zu vorindustrieller Zeit ein ausgeklügeltes Teich- und Grabensystem angelegt, um mittels Wasserkraft Pumpen und Transporte im Bergbau zu ermöglichen. Der große Holzbedarf führte rund um die Bergbaustädte zu großem Holzeinschlag und einer Aufforstung mit schnellwachsendem Nadelwald. Dennoch lässt sich im Harz heute wieder fast unberührte Natur und ein großer Artenreichtum finden. Ein Großteil des niedersächsischen Teils des Harzes gehört zum Naturpark Harz, der nicht nur mit dem Baumwipfelpfad in Bad Harzburg neue Perspektiven ermöglicht. Zusammen mit dem Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt wurde der Nationalpark Harz gegründet. Hier wird – wie im Fall des Brockenurwalds – ursprüngliche Vegetation geschützt und in weiten Teilen die Wildnis durch einen Verzicht von menschlichen Eingriffen wieder hergestellt. Die verschiedenen Höhenlagen und großen Waldflächen bieten zudem selten Tieren einen Rückzugsraum. Sogar der Luchs konnte wieder angesiedelt werden.
 

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