Kuppel in Carpesol Therme in Bad Rothenfelde
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Ge­sund dank Salz


Das Pärchen treibt auf dem Wasser, wie Herbstblätter auf der Oberfläche eines Sees. Sie lächeln friedvoll, während ihre Körper von dem warmen Wasser in dem kleinen, von Naturstein eingefassten Becken förmlich getragen werden. Möglich ist das dank der zwölfprozentigen Natursole im Wasser, die eine auftreibende Wirkung hat. „Ab einer gewissen Stärke der Sole fühlt es sich an, als würde man im Wasser schweben“, erklärt Dennis Spellbrink. Seit zwei Jahren ist er der Geschäftsführer der 2013 eröffneten carpesol Spa Therme, deren imposanter Kuppelbau im Zentrum des Kurorts Bad Rothenfelde liegt.

Nach zehn Minuten steigt das Paar aus dem Starksole-Becken und macht sich auf den Weg zu den Duschen, um die feine Salzkruste von der Haut zu waschen. „Länger als zehn bis fünfzehn Minuten sollte man nicht in der Sole schwimmen“, empfiehlt Dennis Spellbrink. „Sole ist zwar vor allem für Menschen mit Hautkrankheiten sehr gesundheitsfördernd“, fügt er hinzu. „Das Baden in dem salzhaltigen Wasser kann für den Kreislauf aber sehr anstrengend werden.“ Also lieber ab auf eine Liege am Kamin und dem Knistern der Flammen und Knacken des Holzes lauschen. So kann sich der Körper nach dem Solebad erholen.

Bad Ro­then­fel­de und das Salz


Sole spielt in Bad Rothenfelde bereits seit dem 18. Jahrhundert eine bedeutende Rolle. Denn im Jahr 1777 wurde in der niedersächsischen Stadt ein Gradierwerk errichtet. Die große Verdunstungsanlage aus Holz und Schwarzdorn-Reisig diente der Salzförderung. Salz war zu der damaligen Zeit so wertvoll, dass es auch als weißes Gold bezeichnet wurde.

Mit einer durch Windkraft betriebenen Pumpe wurde aus einem 3.500 Meter unter der Erde liegenden Salzstock Quellsole an die Erdoberfläche befördert und anschließend über die zehn Meter hohe Wand des Gradierwerks abgerieselt. „Der ursprüngliche Salzgehalt in der Sole beträgt fünf Prozent. Durch das wiederholte Abrieseln verdichtet sich dieser Salzgehalt auf 25 Prozent“, erklärt Sabine Leclercq-Fröbel, die seit vielen Jahren in der Kurverwaltung tätig ist. 1824 wurde ein weiteres Gradierwerk in Betrieb genommen. Bad Rothenfelde konnte nun auf einer Gesamtlänge von mehr als 500 Metern Natursole fördern. Damit ist es die größte Gradierwerk-Anlage in Westeuropa und weiterhin in Betrieb.

Neben dem wirtschaftlichen Wert ist Salz sehr gesund. Deshalb blühte der Kur- und Badebetrieb in Bad Rothenfelde im 19. Jahrhundert regelrecht auf. Um das Gradierwerk wurde ein Kurpark angelegt. Die rein industrielle Nutzung trat zugunsten der Erlebbarkeit in den Hintergrund. Bis heute flanieren viele Besucher durch den Kurpark, um die salzhaltige Lust zu atmen und der Lunge etwas Gutes zu tun. Auch Sabine weiß die gute Luftqualität entlang des Gradierwerks zu schätzen: „Hier kann man richtig durchatmen. Die Luft fühlt sich an wie bei einem Deichspaziergang.“

Ein­mal tief durch­at­men bit­te


Als Teil des Kurbetriebs spielt das Thema Durchatmen auch in der carpesol Spa Therme eine große Rolle. Neben den zwei Natursolebecken im Sauna- und Außenbereich gibt es hier auch eine Inhalationssauna. „In der ‚Extern’ wird alle zehn Minuten über Düsen frische Sole in die Sauna hineingesprüht. Das wirkt atembefreiend. Man kennt das vielleicht von einem Spaziergang an der Nordsee“, erklärt Dennis Spellbrink das Konzept. Die dafür genutzte Sole wird auf dem eigenen Gelände gefördert.

Die Therme bietet noch andere Möglichkeiten, den Körper zum Schwitzen zu bringen. Angefangen mit dem Warm- und Heißluftbad, in dem Gäste ihren Körper schonend auf die Hitze in den Saunen vorbereiten können, über ein Dampfbad und eine Biosauna, bis hin zu einer finnischen Sauna. „Alle Saunen haben einen lokalen Bezug und tragen Namen von Attraktionen aus dem Teutoburger Wald. Für die Bio-Sauna ist beispielsweise der Berg ‚Freden‘ der Namensgeber“, erklärt Dennis Spellbrink. Highlight der Saunalandschaft ist die ‚Velmers‘. Die große Panorama-Sauna hat einen eigenen Sternenhimmel aus LED-Lichtern und bietet einen weiten Blick über die Stadt.

Ent­span­nung für die Sin­ne


Im hauseigenen Spa liegen eine Frau und ein Mann bäuchlings auf zwei Massage-Liegen. Das Paar hat eine Partner-Massage gebucht und freut sich auf dreißig Minuten gemeinsame Entspannung. Das Licht in dem kleinen Raum ist gedimmt. Auf dem Rand einer Badewanne in der Ecke des Zimmers stehen zwei Champagner-Gläser, in denen kleine Luftbläschen an die Oberfläche tanzen. Aus einem Lautsprecher erklingt leise Musik. Die Masseurinnen Nadia und Lilli lassen das erwärmte Traubenkernöl über ihre Hand auf die Rücken des Pärchens laufen und fangen an, es mit sanften Bewegungen zu verteilen. Die Wärme und Bewegungen mit Händen und Unterarmen setzen schlagartig die Aromen frei, die in dem Bio-Öl enthalten sind: Lavendel und Patchouli. Essenzen, die die Muskulatur bei der Entspannung unterstützen und Stresshormone abbauen sollen. Massagen wie diese führen Nadia, Lilli und ihre Kolleginnen und Kollegen täglich durch. Aromamassagen, Hot Stone Massagen, Stempelmassagen, hawaiianische Massagen – die Techniken sind vielfältig.

Nur wenige Gehminuten von der Therme entfernt liegt der Kurpark mit dem Gradierwerk. Eingehakt schlendert hier ein Paar die Wege entlang, ihre Köpfe einander zugeneigt, ihre Unterhaltung leise und vertraut. In den Beeten am Wegesrand wachsen Rosen. 6.500 Rosenstöcke, um genau zu sein. Einige der Blüten haben sich bereits in leuchtend rote Hagebutten verwandelt. Dahinter erheben sich die Schwarzdornwände des Gradierwerks, an denen die salzhaltige Quellsole hinabrieselt. Viele der Hölzer sind bereits von roten und grauen Gesteinsformationen überzogen. Denn die im Wasser enthaltenen Mineralien – Gips, Kalk und Eisen – setzen sich an den Zweigen fest und versteinern über die Jahre. Ein Anblick, der viele der schlendernden Gäste dazu veranlasst, innezuhalten und die unterschiedlichen Formen und Farben des Gesteins genauer zu betrachten.

Am linken Ende des Gradierwerks tritt ein Mann durch eine wuchtige Holztür, die in die Fassade des Bauwerks eingelassen ist. Der Eingang zu dem 80 Meter langen Demonstrationsgang, der sich im Inneren des circa fünf Meter breiten Holzbaus befindet und von interessierten Gästen besichtigt werden kann. Drinnen angekommen ist es still. Doch ein Geräusch hört man ganz deutlich. Das Tröpfeln der Millionen kleinen Rinnsale, die das Reisig hinabfließen und unten angekommen in das große Auffangbecken tropfen. Ein friedlich klingendes Geräusch, dem man in Bad Rothenfelde schon seit mehr als 200 Jahren lauschen kann.