Windkunst Gradierwerk Bad Rothenfelde
© Hans-Peter Fröbel

Gra­dier­wer­ke Bad Ro­then­fel­de


Mitten im Osnabrücker Land liegt ein Heilbad, in dem man fernab der Küste gesunde Seeluft atmen kann. Ein kleines Wunder der Natur, das man erlebt haben muss.

Die Augen sind geschlossen, der Atem fließt gleichmäßig, feuchte Luft strömt in die Lungenflügel und hinterlässt beim Ausatmen einen feinen Salzgeschmack auf den Lippen. Was nach einem Aufenthalt am Meer klingt erlebt man an den spektakulären Gradierwerken in Bad Rothenfelde, südlich des Teutoburger Walds.


Der Geschmack der frischen Brandung ist ein Relikt aus Zeiten, in denen die Region komplett vom Meer bedeckt war. Mit dem Verdunsten des Meerwassers im Verlauf der Jahrtausende bildete sich ein unterirdischer Salzstock, der bis heute die wohltuende Heilkraft des Meeres konserviert und über eine Solequelle ans Tageslicht befördert.


Die Quelle wurde bereits 1724 bei Bohrungen entdeckt, zur großen Freude der Rothenfelder, die dieses Naturgeschenk nutzten und begannen, aus der Sole Salz zu gewinnen. Es entstand ein Salinenbetrieb und mit ihm zwei imposante Gradierwerke als Verdunstungsanlagen, in denen die natürliche Sole zu einem Konzentrat verdichtet wurde. Heute sind die über zehn Meter hohen, mit dichten Schwarzdornzweigen verkleideten Holzkonstruktionen Wahrzeichen der Stadt und beliebte Ausflugsziele für Erholungssuchende. Und noch immer wird dort über ein Pumpensystem frische Sole zum Dach des Gradierwerks gefördert, um danach über die breiten Wände tröpfchenweise in die ebenerdigen Auffangbecken zu rieseln.


So lange, bis sich der Salzgehalt von 5 auf 20 Prozent erhöht hat. Die Salzproduktion ist inzwischen eingestellt, heute wird die Sole zur Linderung von Allergien, Atemwegs- und Hauterkrankungen in den Reha-und Wellnesseinrichtungen genutzt und dient gleichzeitig der Regeneration und Entspannung. Spaziergänge in der gesunden, allergenfreien Luft rund um die Gradierwerke gehören daher zum Pflichtprogramm eines jeden Besuchs.


Mehr Salz und Sole

Nicht versäumt werden darf ein Blick ins Innere des Gradierwerks. 2001 wurde für Besucher ein 80 Meter langer Gang eröffnet, der durch die spektakuläre Holzkonstruktion mit ihren versalzten Dornenbündeln führt. Wie in einem Bergstollen spaziert man über eine Holzbrücke und erlebt, wie die wertvolle Sole stetig von Zweig zu Zweig nach unten tropft und eine weiße Kruste hinterlässt.

Ausgestattet mit einem Regencape können Gäste in der Inhalationskammer am Ende des Ganges den feinen Solenebel in konzentrierter Form einatmen. Im nahegelegenen Kurmittelhaus wartet in der Salz- und Solegrotte ein weiteres, ungewöhnliches Erlebnis. Eine gemütliche Höhle, deren Wände mit weißen Kristallsalzquadern versehen sind, dazu bequeme Liegestühle, beruhigende Lichtspiele in warmen Farben und leise, meditative Musik. Pure Entspannung im gesunden Mikroklima.


Eintauchen in die Schwerelosigkeit ist in der modernen Natursoltherme Carpe Sol möglich. Ob im 30 Grad warmen Außenbecken mit 3 prozentiger Sole oder im Solebad mit 12 Prozent, wenn der Körper vom Wasser getragen wird und förmlich schwebt kann man loslassen und sich wieder auf sich selbst besinnen. Ein Ganzkörperpeeling mit Salz, Saunagänge im römisch-irischen Spa oder eine wohltuende Aromaölmassage füllen die Energiespeicher wieder auf. Mehr Entspannung für Körper, Geist und Seele geht kaum.