Als Kivelinge verkleidete Männer
© Helmut Kramer

Ki­ve­lin­ge in Lin­gen


Anno Domini 1372 wurde aus der Not der Zeit in der Stadt Lingen an der Ems „De BürgerzoonsSchöttery“ aufgestellet und armieret. Sie schuldete Gehorsam dem Landsherrn und der Obrigkeit der Stadt, hatte nach Reglement mit der Waffe Pflichtdienst zu leisten und in Zeiten der Not einzustehen und zu kämpfen für die Vaterstadt, zum Schutze Leibes und Lebens, Habes und Gutes ihrer Bewohner. All hierfür genoss sie ihre Privilegien. Ihre Mitglieder wurden aufgerufen unter den ledigen Söhnen der Stadt vom Beginn ihres 16. Lebensjahres an. Sie nannten sich: „Die Kivelinge“.
- Auszug aus dem Compagniebuch der Kivelinge

Der Ursprung der Kivelinge gründet sich auf eine Begebenheit aus dem 14. Jahrhundert. Bei Kämpfen zwischen dem Grafen von Tecklenburg und dem Bischof von Münster wurde die männliche Bevölkerung Lingens so stark dezimiert, dass zur Verteidigung als letztes Aufgebot die jungen, unverheirateten Jugendlichen der Stadt auf die Wälle gerufen wurden. Durch die Unterstützung der jungen Krieger gelang es, die Eroberung der Festung Lingen zu verhindern und die Angreifer in die Flucht zu schlagen.

Es wird vermutet, dass durch diese Begebenheit auch der Name „Kiveling“ seinen Ursprung hat. Es handelt sich hierbei um die Verkleinerungsform des mittelhochdeutschen Wortes „kiven“, was so viel wie kämpfen oder streiten bedeutet - also „kleiner Kämpfer“ oder „kleiner Streiter“. Leider ist es heute nicht mehr möglich, diese Vorgänge grauer Vergangenheit durch Dokumente zu belegen, da bei einem Stadtbrand im Jahre 1548 fast alle schriftlichen Urkunden verloren gingen und so vieles nur aus mündlichen Überlieferungen bekannt ist. Ein erster schriftlicher Beweis für die Existenz der Kivelinge, findet sich in den Stadtrechnungen der Jahre 1557 / 1558.