Erzbergwerk Rammelsberg
© Andrea David/filmtourismus.de
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Niedersachsens bekannteste Film-Schauplätze


Von der Komödie bis zum Krimi, von der Telenovela bis zum Kinofilm, von aktuellen Geschichten bis zu historischen Stoffen: Niedersachsen bietet regelmäßig interessante Locations für die unterschiedlichsten Film- und Fernsehproduktionen. Das liegt sicherlich mit daran, dass die Filmemacher zwischen Nordseeküste und dem Mittelgebirge Harz viele abwechslungsreiche Motive sowohl hinsichtlich der Landschaft als auch der Architektur finden. Einige Drehorte wurden durch Filme und Serien besonders bekannt oder kommen immer wieder vor der Kamera zum Einsatz:

In Friesland sagt man… Moin!

Kein Zweifel, die Filme von Otto Waalkes machten Ostfriesland in den 80ern deutschlandweit bekannt. Und durch die Kultkomödie „Otto - Der Außerfriesische“ aus dem Jahr 1989 gelangte vor allem ein Gebäude zu nachhaltiger Berühmtheit: der Pilsumer Leuchtturm. Der rot-gelb angestrichene Leuchtturm ist sowohl Drehort als auch Schauplatz der Handlung, in der er einer Hochgeschwindigkeits-Teststrecke weichen soll. Was Otto, der im Film hier wohnt und ausländische Gäste empfängt, natürlich zu verhindern weiß…

Blick auf den Pilsumer Leuchtturm, bekannt durch die Otto Waalkes Filme
© Andrea David/filmtourismus.de

Noch heute kennen sowohl Einheimische als auch Touristen das etwa 11 Meter hohe Bauwerk als „Otto-Turm“. Erst im Frühjahr 2020 hat dieser einen nagelneuen „Ringelsockenanstrich“ bekommen. Der Turm kann zu bestimmten Öffnungszeiten bei einer Gästeführung erkundet werden und wird auch gerne als Hochzeitslocation genutzt. Viele weitere Drehorte aus dem Film, wie der Hafen, der Kindergarten und die Zwillingsmühlen, die im Vorspann zu sehen sind, befinden sich in der Ferienregion Krummhörn-Greetsiel.

Otto Waalkes selbst ist in der Stadt Emden geboren und aufgewachsen. Dort ist ihm ein kleines, aber feines Museum mit vielen Erinnerungen an seine Filme und Bühnen-Shows gewidmet: Dat Otto Huus. Wer Ottifanten liebt, sollte auf jeden Fall einen Blick in den Shop werfen. Ebenfalls in Ostfriesland verortet, wenn auch als Zugezogener, ist Bestsellerautor Klaus-Peter Wolf. Seine erfolgreichen Kriminalromane, in denen Küste und Watt den düsteren Hintergrund für die Ermittlungen der Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen bilden, wurden zum Teil mit Christiane Paul bzw. Julia Jentsch in der Hauptrolle verfilmt.

Die meisten Orte, die Wolf in seinen Ostfrieslandkrimis verewigt, gibt es wirklich. Und so können auch Schauplätze und Drehorte in Realität besucht werden. Die meisten befinden sich in der Altstadt von Norden, darunter die Polizeistation, die Schwanenapotheke und das Café ten Cate. Weitere Locations der vier Verfilmungen sind die Nordseeinsel Norderney, die Städte Aurich und Leer sowie der Campener Leuchtturm, mit seinen 65 Metern der höchste Leuchtturm Deutschlands.

Rosige Zeiten in Lüneburg

Nach über 3.000 Folgen sind die ARD-Telenovela „Rote Rosen“ und die Stadt Lüneburg quasi unzertrennlich. Einige Schauspieler der Produktion wohnen sogar seit einigen Jahren in der Hansestadt, welche sowohl Schauplatz als auch Drehort der Serie ist.

Der Drehort der Telenovela Rote Rosen
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Einer der wichtigsten Schauplätze ist das fiktive Fünfsternehotel „Drei Könige“, bei dem es sich in Wahrheit um das Hotel Bergström handelt. Dort können Rote-Rosen-Fans sogar spezielle Arrangements buchen. Das hoteleigene Marina Café dürfte ihnen als Restaurant Carlas bekannt vorkommen.

Nicht nur in Lüneburgs Innenstadt wird fleißig für die „Rote Rosen“ gedreht, sondern auch im Umland. Dazu gehört der Krusenhof in Neetze, welcher sich auf dem Bildschirm in das Gut Flickenschild verwandelt. Eine Übernachtung ist sogar möglich, da sich auf dem Anwesen eine Ferienwohnung befindet.

Szene aus der beliebten Serie Rote Rosen in Lüneburg
© ARD Foto

Natürlich ist auch die Lüneburger Heide in einigen „Rote Rosen“-Folgen und im Vorspann der Serie zu sehen. In der Vergangenheit wurde der berühmte Naturpark schon häufig als Filmkulisse genutzt, wie beispielsweise auch für Szenen des mehrfach ausgezeichneten Kinofilms „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt.

George Clooney und das Weltkulturerbe

Für den Historienfilm „Monuments Men - Ungewöhnliche Helden” fand Schauspieler und Regisseur George Clooney im Jahr 2013 gleich mehrere passende Drehorte im Harz. Und auch in der Altstadt von Goslar machte sich das Hollywood-Fieber breit, denn dort wurde die Breite Straße für die Dreharbeiten abgeriegelt und von den Setdesignern in die belgische Kleinstadt Veume verwandelt. Die Straße war für die Produktion von etwa 2.000 Komparsen gesäumt.

Die dort gedrehte Szene fiel zwar trotz des Riesenaufwands fast komplett dem Filmschnitt zum Opfer, doch an den Drehtag werden sich die Anwohner und Statisten sicher noch lange in erinnern. Zudem war Goslar in der Vergangenheit schon in vielen Fernsehfilmen zu sehen, z.B. „2 für alle Fälle - Manche mögen Mord”, „Unsere Mütter, unsere Väter” oder „Alle Zeit der Welt”. Und auch Otto Waalkes stand hier für seine Komödie „Sieben Zwerge“ sowie deren Fortsetzung vor der Kamera.

einer der Drehorte zum Film Monuments Men
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Weitere Szenen für „Monuments Men“ entstanden im Erzbergwerk Rammelsberg am südlichen Stadtrand von Goslar. Die Anlage gehört, wie übrigens auch Goslars historische Altstadt, zum UNESCO Weltkulturerbe. Hier wurde schon vor tausend Jahren Bergbau betrieben und erst 1988 wurde sie stillgelegt. Heute kann man das Bergwerk als Besucher sowohl über als auch unter Tage besichtigen.

In Clooneys Film retten die Monuments Men hier die Brügger Madonna von Michelangelo in der bergwerkseigenen Lore. Ohne Matt Damon und Bill Murray, aber dafür mit Heino Ferch und Jan Josef Liefers in den Hauptrollen entstanden hier auch Szenen für den Fernsehfilm „Das Wunder von Lengede”, in dem es um eine dramatische Rettungsaktion nach einem Grubenunglück geht. Die Aufnahmen des gefluteten Bergwerksstollens entstanden im Wasserstudio in Goslar, einer ehemaligen Erzwaschanlage.

Eine Autostunde von Goslar entfernt, in der Nähe von Herzberg am Harz, befindet sich die Einhornhöhle Scharzfeld, die größte Besucherhöhle im Westteil des Harzes. Für die Netflix-Serie „Dark“ entstanden hier einige Innenaufnahmen, wenn auch ohne die Main Crew, die sich mit einem reinen Filmset begnügen musste. Hauptdarsteller Louis Hofmann war bereits für die Dreharbeiten zu „Tom Sawyer” (2011) hier.

Auf einer 45-minütigen Führung durch die Höhle sowie in einem kleinen Museum erfährt man mehr über die früheren Bewohner der Einhornhöhle, vom Bären bis zum Neandertaler.

Tatorte in Göttingen und Hannover

Für mörderische Fernsehunterhaltung sorgt bereits seit 2002 die „Tatort“-Reihe rund um die Hauptkommissarin Charlotte Lindholm, die von Maria Furtwängler gespielt wird. Lange arbeitete Lindholm als Fahnderin für das Landeskriminalamt Niedersachsen in Hannover, wurde jedoch 2019 aufgrund eines Ermittlungsfehlers nach Göttingen strafversetzt. Die Drehorte befinden sich deshalb in Hannover und Göttingen sowie im jeweiligen Umland.

Altes Rathaus Göttingen mit Marktplatz
© Göttingen Tourismus e.V./ Lars Gerhardts

Doch nicht nur Lindholm klärt in Niedersachsen Verbrechen an verschiedenen Tatorten auf. Die Episode „Tatort: Böser Boden“ mit Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz entstand unter anderem in den Gemeinden Uetze und Hambühren bei Celle. Und in der neuesten Folge „Tatort: Tödliche Flut" führt es die beiden Kommissare der Bundespolizei auf die Insel Norderney, die mit ihren weitläufigen Sandstränden und Salzwiesen eine besonders gefragte Krimikulisse ist.

Man darf sehr gespannt sein, in welchen neuen Rollen die vielseitigen Drehorte in Niedersachsen künftig auf Bildschirm oder Leinwand zu sehen sein werden.

Bloggerin Andrea David

Die Hamburger Autorin Andrea David reist seit mehr als fünfzehn Jahren zu spannenden Drehorten auf der ganzen Welt und teilt ihre Erlebnisse und Infos regelmäßig mit anderen Film- und Serienfans auf ihrem Reiseblog www.filmtourismus.de. Das Projekt startete sie, als sie Tourismusmanagement in München studierte und ihre Abschlussarbeit dem Einfluss von Filmen auf die Wahl der Reiseziele widmete.