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© Björn Reckewell

Ge­denk­stät­te in der JVA Wol­fen­büt­tel


Das neue Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trum auf dem Ge­län­de der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt (JVA) Wol­fen­büt­tel zeigt ei­ne mul­ti­me­dia­le Dau­er­aus­stel­lung mit dem Ti­tel Recht. Ver­bre­chen. Fol­gen. Das Straf­ge­fäng­nis in Wol­fen­büt­tel im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus.

Die im No­vem­ber 2019 er­öff­ne­te Aus­stel­lung the­ma­ti­siert die his­to­ri­schen Er­eig­nis­se im ehe­ma­li­gen Straf­ge­fäng­nis Wol­fen­büt­tel. Sie zeigt zu­dem straf­recht­li­che, per­so­nel­le und sprach­li­che Kon­ti­nui­tä­ten und Brü­che in der frü­hen Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Au­ßer­dem wird deut­lich, wel­che Aus­wir­kun­gen Ver­fol­gung und Haft für Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge hat­ten und bis heu­te ha­ben.

Die Aus­stel­lung

Die be­son­de­re Bau­wei­se des neu­en Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trums er­laubt ei­nen Blick auf die his­to­ri­schen Ge­bäu­de, die Haft­häu­ser und das ehe­ma­li­ge Hin­rich­tungs­ge­bäu­de, wel­che sich noch heu­te in­ner­halb der JVA Wol­fen­büt­tel be­fin­den. Durch ei­ne Aug­men­ted Rea­li­ty-An­wen­dung kön­nen Be­su­che­rin­nen und Be­su­cher die his­to­ri­schen Räum­lich­kei­ten, die nor­ma­ler­wei­se nur nach Vor­an­mel­dung be­sucht wer­den kön­nen, vir­tu­ell be­ge­hen und ent­de­cken. Ver­schie­de­ne Ex­po­na­te, Ori­gi­nal-Do­ku­men­te und Fo­to­gra­fi­en so­wie in­ter­ak­ti­ve Hör- und Vi­deo­sta­tio­nen er­zäh­len zu­dem die Ge­schich­ten der im Straf­ge­fäng­nis In­haf­tier­ten und Hin­ge­rich­te­ten.

Der his­to­ri­sche Ort

Das Straf­ge­fäng­nis Wol­fen­büt­tel dien­te als wich­tigs­te Haft­stät­te im Land Braun­schweig der Um­set­zung der NS-Ver­fol­gungs- und Mord­po­li­tik. Ab 1933 wies die Jus­tiz zu­neh­mend po­li­tisch An­ders­den­ken­de so­wie so­zi­al und ras­sis­tisch Aus­ge­grenz­te, Ho­mo­se­xu­el­le und Zeu­gen Je­ho­vas in das Ge­fäng­nis ein. Das Reichs­mi­nis­te­ri­um für Jus­tiz nutz­te das Straf­ge­fäng­nis Wol­fen­büt­tel als ei­ne der zen­tra­len Haft­an­stal­ten für „Nacht- und Ne­bel“-Ge­fan­ge­ne aus Frank­reich, Bel­gi­en, den Nie­der­lan­den und Nor­we­gen. Bis zur Be­frei­ung am 11. April 1945 star­ben mehr als 500 Ge­fan­ge­ne auch auf­grund der sich dras­tisch ver­schlech­tern­den Haft­be­din­gun­gen.

Ab 1937 fun­gier­te das Straf­ge­fäng­nis zu­dem als ei­ne der zen­tra­len Hin­rich­tungs­stät­ten im Deut­schen Reich. Bis März 1945 wur­den 526 NS-To­des­ur­tei­le an Frau­en und Män­nern voll­streckt.

Be­reits seit En­de der 1950er Jah­re be­su­chen Über­le­ben­de und Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge von Hin­ge­rich­te­ten und im Ge­fäng­nis Ver­stor­be­nen Wol­fen­büt­tel. Erst 1990 wur­de auf­grund lo­ka­len bür­ger­schaft­li­chen En­ga­ge­ments und des Ein­sat­zes von Über­le­ben­den durch das Nie­der­säch­si­sche Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ei­ne Ge­denk­stät­te ein­ge­rich­tet.

Die­se his­to­ri­schen Or­te der Ge­denk­stät­te be­fin­det sich auf dem Ge­län­de der JVA Wol­fen­büt­tel, so dass ein Be­such nur un­ter be­son­de­ren Si­cher­heits­vor­keh­run­gen mög­lich ist. Grup­pen müs­sen den Be­such min­des­tens 14 Ta­ge im Vor­aus an­mel­den. Die Aus­stel­lung des Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trums ist oh­ne Vor­an­mel­dung zu­gäng­lich.

Mehr In­for­ma­tio­nen zu der Ge­denk­stät­te, die diens­tags bis sonn­tags von 10 bis 17 Uhr ge­öff­net hat, er­hal­ten Sie hier.

Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel

Am Herzogtore 13
38300 Wolfenbüttel
Telefon: +49 (0) 5331 - 9355010

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