Du bist bestimmt nicht nur Yoga- sondern auch Borkum-verliebt - was hat dazu geführt, dass du Yoga unterrichtest?
Als Insulanerin und Vermieterin habe ich täglich mit Gästen und dem Tourismus zu tun. In der Vergangenheit bin ich persönlich in vielen Momenten immer oft gestresst gewesen. Auch manche kleinen „Zwischenfälle“ haben mich komplett aus dem Tagesrhythmus gebracht.
Zufällig und ohne große Erwartungshaltung bin ich irgendwann selber in einer Yogagruppe „gestrandet“. Die Yogapraxis hat mir innerhalb kurzer Zeit körperlich und mental geholfen und mich positiv in allen Bereichen sehr verändert. Und das ist ein ständiger Prozess und besitzt einen großen Anteil in meinem Tagesablauf und meiner Lebenseinstellung, den ich nicht mehr missen möchte.

In meinen beiden großen Ausbildungen in „200h u 300h Yoga Alliance“ habe ich meine Basics und Werkzeuge gelernt und kann diese nun mit meiner Persönlichkeit kombinieren. Und so ganz nebenbei sind auch große Erkältungen und Erkrankungen der Nasennebenhöhlen sehr selten geworden.

Was bedeutet Yoga für dich persönlich und wie integrierst du deine Philosophie in deinen Unterricht?
Grundsätzlich bin ich eine aufgeräumte und pragmatische Person. Und so übe ich auch in der Yogastunde. Klare Linien und Abläufe, ein aufbauender Flow ohne Schnörkel. „From Vin to Yin!!“
Yoga ist für mich ein ständiger und aktiver Prozess in meinem Leben, denn das Lernen an Theorie und Praxis findet keinen Stillstand. Und auch neues Wissen und Veränderungen erfolgreich weiterzuvermitteln, bereitet mir große Freude. Zwischenzeitliche Fortbildungen und lange Urlaube, wie z.B. Thailand mit viel neuer Yogapraxis sind der Hauptinidikator.


Was sind deine 3 Lieblingsplätze auf Borkum?
1. Das Ostland (etwas abseits vom „Dorf“) und zugleich maritim mit dem Seedeich und Strand sowie dem ländlichen Charme mit den Scheunen und Wiesen. Eine unvergleichliche Kombination aus Ruhe, Weitsicht und Landschaft. Besonders in den frühen Morgenstunden, sobald die Sonne im Osten fast magisch aufgeht und abends, wenn die Wiesen in ein
besonderes Licht und Farbenszenario eintauchen. Das perfekte Timing zählt hier.

 

2. Der vom Wind geschützte Südstrand auf der Insel: Von meiner Kindheit an immer „mein Strand“ und in Verbindung heute mit Yoga ein wundervoller Platz, um Yoga zu üben. Die kurze Distanz zum Meer und der meist vom Wind abgeneigte Teil lassen auch an kühlen Tagen eine gute Zeit am Strand verbringen.
 

3. Der Weg am Seedeich entlang: Die lauten Vögel und die wilde Natur, die geraden Linien am Deich und doch dieses Durcheinander der Geräusche und Eindrücke in Kombination. Eine Radtour oder ein ausgiebiger Spaziergang können hier helfen, das eigene „Durcheinander“ im Kopf“ wieder zu stabilisieren und aufzulösen.


Viele träumen vom Leben auf einer Insel – Was macht die Insel Borkum so besonders?
Borkum ist von der Fläche die größte der Ostfriesischen Inseln und erlebt eine ständig wechselnde Landschaft und Vielseitigkeit in räumlich kurzen Abständen. Du fährst am Strand weiter und kommst zum Beispiel im Hafen mit der urbanen und maritimen Optik an. Dann folgt kurze Zeit später der große Seedeich mit der Landwirtschaft und den vielen Tieren.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Zwischenmenschlichkeit auf unserem Eiland.
Die ,Borkumer bleiben, trotz dem geschäftigen touristischen Alltag, identisch z. B. mit einem guten Vereinsleben und in vielen privaten Bereichen. So ist fast jeder Beruf mit dem Tourismus verbunden und profitiert direkt davon, gleich ob Handwerk, Medizin, Bank oder Einzelhandel. Und auch in der Freizeit wird so beispielsweise folkloristisch getanzt und gesungen oder Fußball gespielt. Ich kenne inzwischen einige Aussteiger vom Festland und die Insel(n) profitieren selbstverständlich sehr von neuen Menschen, Fachwissen und Kompetenzen.


Was macht das Freiheitsgefühl auf den Ostfriesischen Inseln aus?
Es ist vielleicht ein kleines Privileg als Insulaner, direkt an den Strand gehen zu können, um kurzfristig ohne Anreise und Planen auf das Meer zu schauen. Und dann hat man immer noch die Auswahl: die Weite auf das Wasser zu haben und sich mit dem Wind treiben zu lassen oder
vielleicht auf den Dünenwegen die Inseln zu erkunden. Freiheit und Vielfalt auf einem begrenzten Ort und Insel, kombiniert mit einer Sportart am Wasser ist ideal. Und wenn man wirklich mal eine Stadt, Shopping und Kultur braucht, dann ist man schnell in Groningen oder Oldenburg unterwegs.
Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dauerhaft auf einer Insel zu leben und auszukommen. Borkum besitzt von allen Ostfriesischen Inseln, die größte Distanz zum Festland, ähnlich der Strecke von Calais nach Dover. Dies macht eben auch unser besonders gutes Hochseereizklima aus. Aufgrund eines schweren Sturmes z.B. ist es Borkum in ganz
seltenen Fällen nicht möglich, die Insel mit dem Schiff zu verlassen. Und doch ergibt sich für mich persönlich kein Gefühl der Abgeschiedenheit.


Du unterrichtest Yoga. Wo und für wen finden deine Kurse statt – bei gutem Wetter auch am Strand?
Je nach Jahreszeit und Witterung finden die Yogakurse im Yogaraum oder am Strand und demnächst auch am Deich statt. Meine Gruppen bestehen aus Fortgeschrittenen und Beginnern, denn dieses macht für mich eine gute Gruppe aus. Gegenseitig in einem Flow und einer Gemeinsamkeit zu agieren und doch übt jeder für sich, was er kann und möchte. Mich
fasziniert immer wieder dieses kurzfristige Zusammengehörigkeitsgefühl in einer Yogagruppe. Bestehend aus allen Altersgruppen, Insulanern und Gästen ergibt sich meist eine Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel, obwohl man sich nicht kennt. Vielleicht ist es als wirklicher Anfänger manchmal einfacher, Yoga im Yogaraum mit einem festen Untergrund und Strukturen zu üben. Ein Sandboden und ein weiter Horizont mit vielen bewegenden Eindrücken kann für Anfänger etwas schwierig sein, um z.B. Balance und Konzentration zu finden und noch mehr zu halten. Den Strand als Yogaraum zu nutzen ist eine wunderschöne Möglichkeit, mit der Natur, dem Meer, den Wellen und sich selbst zu verbinden. Das Gefühl der Bewegungen und dem Meer gleich zu tun mit der Atmung ist eine wundervolle Erfahrung. Grundsätzlich halte ich persönlich meine Kurse mit einem großen aktiven Anteil pragmatisch und strukturiert und zum Ende setze ich auf ein ruhigeres Drittel, um alles für sich gut „zu verpacken“. In Kürze werde ich zudem auch „Yoga am Deich“ anbieten. Ich liebe diesen Ort, wie bereits erwähnt mit diesen klaren Strukturen und doch diesem natürlichen Durcheinander.


Was erwartet Urlauber, die auf Borkum das erste Mal ein Yoga Retreat
ausprobieren?

Ein Yoga-Retreat empfiehlt sich gerade sehr für Borkum, da diese Insel sehr vielseitig in verschiedenen Aktivitäten ist. Ausgiebige Spaziergänge und Fahrradtouren lassen den Eindruck erwecken, immer wieder einen neuen Ort zu erkunden. Mich fasziniert ganz besonders an Borkum, welchen großen Anteil die Natur und die Tierwelt hat. Die Insel ist
sehr facettenreich und unterschiedlich. Borkum hat ganz besonders viel Platz an einigen Stränden auf der Insel. Die Weite und Unendlichkeit laden ein, um wirklich vom Alltag loszulassen. Da ich selber auch
Vermieterin bin und mit Gästen täglich zu tun habe, weiß ich, daß gerade neue Gäste absolut begeistert sind, von der endlosen Weite. Und auch regelmäßige Stammgäste sind immer wieder fasziniert von der Natur und dem ständigen Wandel und Aussehen der Insel.
Ein weiterer großer mentaler Effekt: Z. B.: Die Wellen kommen und gehen und so fällt dieses Loslassen von persönlichen Ungereimtheiten einfacher, es mit dem Meer abfließen zu lassen. Vielleicht ist es der Person möglich, die eigenen persönlichen Gezeiten während einer Yoga-Auszeit zu formen und so letztendlich zu profitieren.


Wie schnell verspüren Kursteilnehmer einen mentalen und körperlichen Effekt?
Das ist ganz abhängig von der einzelnen Person. Mich freut es sehr, wenn die Yogis mit einem Lächeln nach der Stunde gehen. Oder, daß sich z.B. die körperliche Aufrichtung der Wirbelsäule etwas grösser und weiter anfühlt. Aus dem Alltag tragen wir auch mental unscheinbar viel auf unserem Rücken, so dass es sich anschließend entspannter und
verbessert anfühlt. Die Herzöffnung aus anatomischer und gleichzeitig mentaler Sichtweise kann man vielleicht sofort positiv beschreiben. Oder eben auch die Bewegungen und Rotationen der beiden Hüften, denn ein mentales Lösen und Verbessern der psychischen Gesundheit zu erleben ist eine großartige Erfahrung. Im Bereich der Psoasmuskulatur, die
unseren Körper u.a. zusammenhält und unterstützt können Emotionen, Blockaden etc. aufgelöst werden.
Einige Insulaner -innen begleite ich bereits länger und es ist immer ein Kompliment, wenn sie jede Woche in den Yogaraum kommen und eben auch berichten, was sich körperlich etc. positiv verändert.


Hat die Seeluft Borkums Vorteile für die Yoga-Praxis?
Ganz bestimmt. Ein einfacher Spaziergang allein reicht manchmal aus, um das Gemüt und den Körper aufzubauen. Und dann die Kombination mit Yoga umso mehr, oder ;))?  Frische Luft, Aerosole und ein geübtes Pranayama sind unvergleichbar. Borkum und Helgoland sind die einzigen beiden deutschen Inseln im Hochseereizklima. Und so spricht ganz besonders gerade eine Auszeit im Frühjahr und Herbst dafür, um hier gesundheitlich z.B. für die Pollensaison oder Asthma etc. zu profitieren.


Und zum Abschluss: Hast du noch Tipps für Yoga-Anfänger oder solche, die Yoga ausprobieren möchten?
Um mit der Yoga-Praxis zu beginnen, empfiehlt es sich vielleicht mit Hatha-Yoga zu beginnen. So lassen sich längere gehaltene Asanas mit dem Körper und Geist, der Atmung und der Konzentration am Besten verbinden. ….
1. Komme konzentriert körperlich in deine Asana,
2. Kombiniere und verinnerliche dein Pranayama
3. Fühle was in deinem Körper, in der angesprochenen Region (z. B. Hüftöffnung) gerade passiert und spüre die anatomische als auch die mentale Weite. Kombiniere dieses mit ein paar wiederholenden Sonnengrüßen Surya Namaskar A und finde
hier die Regelmäßigkeit, Konzentration nur auf dich und den schnell erzielenden Benefit aus dieser Praxis.

Vielen Dank für das Interview!

Stand: Mai 2024