Fachwerk Neue Strasse Goslar
© Janna Kamphof
Janna Kamphof
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Out­door und Kul­tur in Gos­lar


Als ich in der Ferne die Hügel des Harzes sehe, kann ich es kaum erwarten, aus dem Zug auszusteigen. Ich freue mich auf erlebnisreiche Tage in Goslar und Umgebung. Die historische Fachwerkstadt liegt in einer wunderschönen Landschaft und ist somit der perfekte Ausgangspunkt für ein Wochenende voller Natur und Kultur.

Durch die geschichtsträchtigen Gassen von Goslar bummeln


Du magst Fachwerk? Dann ist Goslar der ideale Ausgangspunkt für ein paar Tage im Harz. Insgesamt gibt es in der Stadt mehr als 1500 Fachwerkhäuser. Egal, in welche Gasse oder Straße du gehst, überall ist es schön. Die historische Innenstadt ist von der alten Stadtmauer umgeben, die teilweise sogar noch aus dem Mittelalter stammt. Über die Jahrhunderte hat sich der historische Ortskern von Goslar perfekt erhalten. Dies ist einer der Gründe, dass die Innenstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Und dass man sich heute bei einem Spaziergang durch Goslar wie in die Zeit zurückversetzt fühlt.

Wenn ich an einem sonnigen Nachmittag durch Goslar gehe, ist auf den Terrassen viel los. Es sieht sehr einladend aus, aber bevor ich mich dazu setze, möchte ich noch ein bisschen durch die Stadt bummeln. Ich gehe über den Schuhhof, wo das Muster des Kopfsteinpflasters auf dem Boden ein wahres Kunstwerk ist. Und dann durch die Neue Straße mit ihrer Mischung aus reich verzierten Fachwerkhäusern mit den charakteristischen Holzbalken und Häuser mit grauer Schieferdeckung. So erreiche ich schließlich das Gebäude, das auch ein wichtiger Teil des Weltkulturerbes in Goslar ist: die Kaiserpfalz. Die Pfalz wurde bereits im 11. Jahrhundert erbaut und diente mehreren Kaisern des Heiligen Römischen Reiches als Wohnsitz. Du kannst dir vorstellen, dass hier Geschichte geschrieben wurde. Gegenstände aus dieser vergangenen Zeit, wie der originale Bronzethron, sind heute in der Pfalz ausgestellt.

Mountainbiken in der Oberharzer Wasserwirtschaft


Flatsch! Bei der ersten schlammigen Pfütze ist es mit meiner sauberen Hosen vorbei. Es ist ein nasser Start der Mountainbike-Tour durch ein wasserreiches Gebiet südlich von Goslar: die Oberharzer Wasserwirtschaft. Das ausgeklügelte und weltweit einmalige Wasserleitsystem besteht aus 107 Teichen und etlichen Kilometern an Kanälen und Wasserwegen. Sie wurden vor mehr als 1000 Jahren angelegt, um Energie für den Bergbau zu erzeugen. Nach dem Ende des Bergbaus wurde die Oberharzer Wasserwirtschaft zum UNESCO-Welterbe erklärt und heute kann man hier tolle Wander- und Mountainbiketouren unternehmen.

Gemeinsam mit einem Guide vom OutdoorCenter Harz rase ich über schmale Waldwege mit dicken Baumwurzeln. Mal radeln wir an einem der vielen Wasserkanäle entlang, mal müssen wir kräftig in die Pedale treten, um den Hügeln des Harzes zu trotzen. Wir werden zwischendurch mit weiten Aussichten belohnt. Besonders gut gefallen mir die Teiche, die sich wie eine Art langgezogener Wasserfall aneinanderreihen, wie die drei Pfauenteiche in Clausthal-Zellerfeld. Als ich nach etwa vierzig Kilometern Radfahren wieder im Bus nach Goslar sitze, wische ich mir den Schlamm aus dem Gesicht. Was für ein cooles Gebiet zum Mountainbiken!

Das alpine Wandergefühl in Goslar: der Rammelsberg


Das hügelige Umland von Goslar lädt zu einer Wanderung ein. Also packe ich am nächsten Tag meinen Rucksack und ziehe meine Wanderschuhe an. Bald bin ich aus der Stadt raus und mitten im Grünen. Hier merke ich wirklich, dass der Harz ein Mittelgebirge ist, denn beim Wandern legt man einige Höhenmeter zurück. Der Rammelsberg, auf dem sich auch das ehemalige Bergwerk befindet, kann mit seinen 636 Metern mit Recht als Berg bezeichnet werden. Mit dazugehörendem Ausblick, wie ich am Aussichtspunkt Ramseck feststelle. Von hier aus können Wanderer einen schönen Blick auf Goslar genießen. Die felsigen Pfade am Rammelsberg erinnern mich fast an alpine Bergwanderungen. Für mich ist diese Route eine kleine Ode an das Mittelgebirge in Deutschland: überraschend schön und überraschend ruhig.

 

 

Abenteuer unter Tage im Besucherbergwerk Rammelsberg


In Goslar kann man nicht nur bergauf, sondern auch unterirdisch wandern. Bis in die 1990er Jahre wurde im Rammelsberg Erz abgebaut. Kurz nach der Einstellung des Bergbaus wurde das Bergwerk Rammelsberg zum UNESCO-Welterbe erklärt. In den folgenden Jahren wurde das Bergwerk für Besucher zugänglich gemacht. Heutzutage kannst du mit einer kleinen Bahn oder zu Fuß das Besucherbergwerk entdecken. Ich entscheide mich für Letzteres und gehe mit einem Guide in das riesige Tunnelsystem.

Meine Augen müssen sich kurz an den Lichtmangel gewöhnen. Ich setzte einen Helm auf, bekomme eine Taschenlampe und dann beginnt die Tour. Wir gehen durch dunkle Gänge und müssen uns manchmal bücken, weil die Decke so niedrig ist. „Kannst du dir vorstellen, dass das alles von Hand ausgehauen wurde?“ fragt der Guide. Spuren der harten Arbeit bestätigen dies. Der Guide beleuchtet eine Rille im Felsen: die Stelle, an der der Meißel den Felsen getroffen hat. Ein paar Zentimeter entfernt zeigt ein weitere Rille in die entgegengesetzte Richtung. „Das deutet darauf hin, dass aus zwei Richtungen gearbeitet wurde und die Bergleute hier aufeinander trafen“, erklärt der Guide. Faszinierend. Ebenso wie das riesige Wasserrad und die bunten Mineralablagerungen an den Wänden. Ein Besuch im Bergwerk Rammelsberg ist ein kleines Abenteuer unter Tage.

Goslar, der Besucherbergwerk Rammelsberg und die Oberharzer Wasserwirtschaft sind Teil der neuen Welterbe-Route im Harz. Die 73 Kilometer lange Autoroute zwischen Goslar und Walkenried verbindet verschiedene Sehenswürdigkeiten im UNESCO-Welterbe Harz miteinander.

Die Natur mal anders erleben in Bad Harzburg


Bad Harzburg ist mit der Bahn oder dem Bus in 15 Minuten von Goslar zu erreichen. Da der Ort am Wald liegt, eignet er sich auch hervorragend zum Wandern. Aber in Bad Harzburg kannst du die Natur auch aus einer ganz anderen Perspektive erleben! Wie wäre es zum Beispiel mit einem Spaziergang zwischen den Baumkronen? Am Fuße des Burgbergs befindet sich das Baumwipfelpfad: 1000 Meter lang gehst du über einen Holzweg auf einer Ebene mit den Baumkronen und Waldbewohnern. Unterwegs erfährst du an 33 Stationen Wissenswertes über Bäume, Tiere, Holzwirtschaft und Klima.

Als wäre das nicht schon besonders genug, gibt es in Bad Harzburg auch eine BaumSchwebeBahn. Als ich auf der Plattform hoch in den Bäumen stehe und der Mitarbeiter mein Gurtzeug anklickt, spüre ich ein Kribbeln im Bauch. Gleich hänge ich zwanzig Meter über dem Boden. Der Mann gibt mir einen kleinen Schubs und schon bin ich weg. „Viel Spaß!“ ruft er mir nach. Und Spaß habe ich auf jeden Fall. Etwa fünf Minuten schwebe ich entspannt zwischen den Baumwipfeln. Ich kann die Blätter fast berühren und sehe einen Vogel auf Augenhöhe durch die Luft gleiten. Würde es sich so anfühlen, fliegen zu können?

Tipp: Bei vielen Unterkünften im Harz bekommst du nach Zahlung des Gästebeitrages das Harzer Urlaubs-Ticket. Damit kannst du kostenlos mit dem Bus fahren. Praktisch, wenn du einen Ausflug von Goslar nach Bad Harzburg machen möchtest.

Janna Kamphof

Wandern, Campen, Radfahren, Klettern: Janna liebt alles, was man draußen machen kann. Auf ihrem niederländischen Blog duitslandactief.nl schreibt sie über Aktivurlaub und nachhaltiges Reisen in Deutschland.