Ems-Sperrwerk
© TourismusMarketing Niedersachsen GmbH/Kerstin Paar
Autorenfoto Kerstin Paar

Ems­rad­weg - Er­leb­nis auf zwei Rä­dern


Zu jeder Jahreszeit entfaltet die Natur und die Tierwelt am Emsradweg ihre Schönheit. Auf seiner Länge von 375 km durch zwei Bundesländer entdecken Radfahrer unzählige Besonderheiten. Angefangen an den Emsquellen, über die Schifffahrt, die Moorlandschaften bis zur Mündung in die Nordsee.

Auf den Sattel und in die Pedale. Zwischen Rheine und Lingen fließt die Ems in das Bundesland Niedersachsen. Entlang dem Flussverlauf führt in beide Richtungen der gut ausgeschilderte Emsradweg. Zu erkennen am grünen E.

Ohne nennenswerte Steigungen folge ich ihm über Haren, Lathen, der bekannten Meyer Werft in Papenburg bis zur Seehafenstadt Leer, dem Tor von Ostfriesland. Auf den letzten Flusskilometern beobachte ich das große Ems-Sperrwerk, Schöpfwerke entlang des Emsradweges und bemerke, wie die Ems zum breiten Strom heranwuchs. Kurz vor der Mündung in die Nordsee durchfließt die Ems die große Bucht, den Dollart, südlich der Hafenstadt Emden.

Ist die Ems bei ihrer Sickerquelle im Teutoburger Wald noch anfangs ein wildromantischer Bach, gewinnt der Fluss stetig an Wasser und wird vor der niedersächsischen Landesgrenze eine Bundeswasserstraße. An dessen Ufern und Feuchtwiesen Wasservögel, Kraniche oder Zwergschwäne vom Fahrradsattel beobachtet werden können. Besonders schön anzusehen sind auch die vorbeiziehenden Schiffe und Boote.

Ree­de­rei­en und Schif­fe – ma­ri­ti­mes Flair am Ems­rad­weg


Die Stadt Haren an der Ems war früher und ist auch heute noch von der Schifffahrt geprägt. Wer auf der ausgewiesenen Maritimen Meile spazieren geht, entdeckt Schiffe, kulturelles Erbe und historische Stätten. Die Stadt Haren an der Ems ist eine der bedeutendsten Reedereistandorte Deutschlands.

Stromabwärts liegt nach rund 12 km die nächste Station: Die Gemeinde Lathen.

Neben dem Emsradweg verlaufen durch die Region weitere Radfern- und Radrundwege, wie die United Countries Tour westlich der Ems. Fast parallel zum Emsradweg begegnen dem Radfahrer Schilder zur Dortmund-Ems-Kanal-Route.

Rad-Tipp: Eine Rundtour von knapp 10 km ab Ortsmitte Lathen führt zur Inselspitze zwischen Alter Ems und Dortmund-Ems-Kanal. Ich quere die Ems und den Kanal. Durchfahre einen urwüchsigen Wald mit hochstämmigem Baumbestand. Am Restaurant Hotel Lathener Marsch lohnt ein Stopp zur gemütlichen Einkehr. Das Hotel ist ein zertifizierter Bett+Bike-Betrieb. Nach der Rast trippel ich die letzten Meter zurück zur Ortsmitte. Diese Rundtour ist nicht offiziell ausgeschrieben, lohnt aber in jedem Fall, um Land und Leute sowie die Landschaften entlang des Emsradweges kennenzulernen.

Land­wirt­schaft­lich ge­präg­tes Ems­land


Auf den nächsten 33 Fahrradkilometern bis Papenburg bestaune ich die Schiffe auf dem Fluss und beobachte die Passage an der Dörpener Schleuse. Dörpen liegt eingebettet in ein weitverzweigtes Radwegenetz im Emsland.

Beim Überqueren einer Emsbrücke entdecke ich in der Ferne den Rheder Dom. So nennen die Einwohner liebevoll die katholische Pfarrkirche St. Nikolaus.

Für Einblicke in die Landwirtschaft lohnen sich neben einem Besuch eines Landwirtschaftsbetriebes auch das Landwirtschaftsmuseum in Rhede (Ems). Die Ausstellung gibt Einblicke in die Milch- und Viehwirtschaft, Getreide- und Heuernte. Sie sehen auch Geräte, die mit eigener Muskelkraft betrieben wurden. Vom Drahtesel abzusteigen lohnt sich in vielerlei Hinsicht, denn neben der sehenswerten Ausstellung lockt das Museumscafé zu einer genussvollen Kaffeepause.

Pa­pen­burgs idyl­li­sche Stadt­mit­te und be­kann­te Mey­er Werft


Wer Papenburg liest, denkt zweifelsohne an die bekannte Meyer Werft. Dort werden Hochseeschiffe gebaut, wie die beliebte AIDA-Flotte.

Empfehlenswert ist neben einem Besuch der Meyer Werft, sowie der Alten Werft, auch die charmante Innenstadt.

Ein guter Ausgangspunkt für einen Spaziergang oder eine Radexkursion durch die Seehafenstadt, ist die Mühle. Sie liegt direkt an der Fußgängerzone und am Stadtpark.

Sicher ist Ihnen am Emsradweg öfters eine Ortsbezeichnung mit „Fehn“ aufgefallen. Papenburg ist eine der längsten und ältesten Fehn-Kolonien in Deutschland. Einst schufen die Menschen aus der Moorkolonie nutzbare Flächen zum Wohnen und Bewirtschaften. Dabei entstanden die typischen Kanäle im Emsland und Ostfriesland. Entlang dem Kanal in Papenburg siedelten sich Wohn- und Geschäftsgebäude auf beiden Kanalseiten in der sehenswerten Innenstadt an. Nach einer stärkenden Brotzeit in einem Papenburger Gartenlokal trete ich weiter in die Pedale.


Ich genieße die nächste Etappe auf rund 30 km bis zur historischen Backsteinstadt Leer.

Eine Stadtrundfahrt mit dem Fahrrad ist dort ein Muss. Das fahrradfreundliche Zentrum um den Museumshafen lädt ein, die liebevoll gestalteten Backsteinhäuser in der Leerer Altstadt vom Fahrradsattel zu betrachten. Ich starte die Fahrradtour durch Leer am Schloss Evenburg und fahre entlang Fahrradstraßen bis zum Bahnhof.

Ein Halt am Schloss empfiehlt sich ganzjährig. Ob entlang blühender Sträucher im Frühjahr, unter schattenspendenden Bäumen im Sommer oder für ein buntes Blättermeer im November.


Nach Passieren der Bahnschienen am Bahnhof betrete ich die Fußgängerzone und schlender mit dem Fahrrad an der Hand entlang Boutiquen, Spezialitätenläden sowie Feinkostgeschäften.

Linkerhand komme ich zur Tourist-Info am Museumshafen und folge den Spuren des Leerpfades.

Wer auf dem Leerpfad unterwegs ist, lernt bedeutende, historische Wirkstätten der Stadt kennen.

Ein­mal Tee Ost­frie­sisch, bit­te!


Ostfriesland liebt und lebt die Teezeremonie. Drei Orte sollten sich Teeliebhaber in Leer nicht entgehen lassen. Einmal das Bunte Haus mit seinen ostfriesischen Märchen und dem Teeladen. Nebenan liegt das ostfriesische Teemuseum und nur rund fünfhundert Meter entfernt die Ostfriesische Teestube. Gemütliche Teestunden erlebt der Gast in der Teestube und genießt den Blick auf den Rathausturm, die Waage und den Museumshafen.

Wieder zurück am Emsradweg passiere ich rechterhand das Leeraner Miniaturland. Für Groß und Klein ist das Miniaturland eine sehenswerte Alternative bei Schietwetter oder für eine Auszeit vom Fahrradsattel. Auf rund 1500 qm sehen Sie typische Städte und Landschaften der ostfriesischen Region, sowie Schiffe auf der Ems in Miniaturgröße.


Entlang der Deichstraße trippel ich landseitig an zahlreichen Schöpfwerken vorbei und komme dem Ziel, dem Dollart, immer näher. Am Schöpfwerk Nüttermoor kann man sich an Infotafeln zu den bedeutenden Sielhäfen informieren und erfährt auf den Schautafeln Wissenswertes dazu. Gönnt man sich den Blick über den Deich, weht der Wind die klare Luft der Nordsee in das Gesicht.

Nach weiteren Kilometern überquere ich in Oldersum den Ems-Seitenkanal. Das Betriebsgelände der Schleuse ist für Fußgänger freigegeben und das nutze ich, um bis zum Emsufer zu gehen. Der Deichverband Moormeerländer Deichacht beaufsichtigt dieses geschützte Gebiet. Es gehört zu einer rund 36000 Hektar großen Region Ostfrieslands.


Rechterhand sieht man in der Ferne das Ems-Sperrwerk. Vielen ist dieses Sperrwerk auch von zahlreichen Überführungen großer Kreuzfahrtschiffe aus der Papenburger Meyer Werft bekannt. Die AIDAcosma startete im Oktober 2021 zu ihrer Überfahrt auf der Ems und passierte dieses Sperrwerk.

Ein weiterer Stopp am Hafen Petkum lohnt für die grandiose Aussicht auf den Dollart. Wer mit den Rädern zum anderen Emsufer wechseln möchte, nimmt die Fähre nach Ditzum.

Fa­zit der Rei­se


Die landschaftlich markante Region im Emsland und Ostfriesland zeichnet sich durch eine hohe Fahrradfreundlichkeit und sehenswerte Naturschönheiten am Emsradweg aus. Neben den Emsstädten Haren, Papenburg, Leer oder Emden lohnen zahlreiche Stopps am Emsufer und den ländlichen Gemeinden für einen unvergesslichen Natur- und Fahrradurlaub im schönen Niedersachsen.

Um die Emsstädtchen hautnah zu erleben, empfiehlt sich für Radfahrer ein Aufenthalt in den zertifizierten Bett+Bike-Unterkünften.

Wer einmal eine Strecke am Emsradweg schneller vorwärtskommen möchte oder wieder zurück, kann den Emsland RADexpress in den Sommermonaten von April bis Oktober an den Wochenenden, Feier- und Brückentagen nutzen. Der bequeme Reisebus mit Fahrradanhänger verkehrt auf sieben Linien zwischen Rheine und Emden-Außenhafen.

Autorenfoto Kerstin Paar

Kerstin entdeckt auf dem Fahrradsattel noch unentdeckte und fahrradfreundliche Regionen in Deutschland, besonders gerne in ihrer Wahlheimat Niedersachsen. Von der Nordsee bis zur Lüneburger Heide, entlang Flüssen und nachhaltig in Naturschutzgebieten, berichtet der Fahrradblog Sonnenfernweh über sehnsuchtsvolle Momente am Fahrradsattel.