Baumhäuser im Baumhaushotel Aerzen
© Christine Rupp
Eine Frau im Rollstuhl vor einigen Strandkörben am Strand
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Bar­rie­re­frei­er Kurz­ur­laub im Baum­haus­ho­tel Aer­zen


Wenn du dringend eine Auszeit benötigst, zur Ruhe kommen willst, das Besondere suchst, dann habe ich den ultimativen Tipp für dich: Das Baumhaushotel in Aerzen.

An diesem Wochenende war es endlich so weit, es geht los.

Die Fahrt startet in Richtung Osten, raus aus dem Regenloch, rein ins bessere Wetter und mit Glück scheint sogar die Sonne.

 

Wo­hin ich fah­re?


In die Kleinstadt Aerzen. Sie liegt idyllisch im südniedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont, im schönen Weserbergland.

Ohne besondere Vorkommnisse und Stau stehe ich vor dem Hotel. Mein erster Gedanke: Natur pur!

Ich bin entzückt und kann mein Glück nicht fassen. Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung und mein Herz dreht gerade einen kleinen Looping.

Die Besitzerin Bea nimmt mich herzlich in Empfang und zeigt mir die Örtlichkeiten.

Sie trägt meinen Koffer ins Baumhaushotel, wir trinken einen Kaffee und tauschen uns aus. Besser kann es nicht laufen.

Übrigens, die Hilfe gehört zum Service bei Menschen mit Behinderung dazu.

Über­nach­ten im Baum­haus­ho­tel


Ich bin positiv überrascht, das zertifizierte Baumhaushotel ist picobello sauber, barrierefrei und mit Liebe und Verstand eingerichtet. Es ist detailverliebt und durchdacht.

Vom richtig hängenden Garderobenhaken über Fliegengitter am Fenster bis hin zum unterfahrbaren Waschbecken und genügend Haltegriffen. Schließlich soll der Urlaub Erholung im Baumhaus sein und kein Tanz auf dem Vulkan werden. Echt vorbildlich!

Der absolute Oberhammer ist für mich der Ausblick. Einfach unschlagbar gut und zum runterkommen the Place to be. Ruhe, Weite, Natur pur.

Zusätzlich bin ich begeistert über die Ausflugsmöglichkeiten in nächster Nähe. Ich kann schnell etwas unternehmen, denn ich will die paar Tage nicht mit unnötig weiten Fahrten verplempern und sinnvoll nutzen.

Aus­flug nach Ha­meln


Als erstes Ziel steuere ich die Rattenfänger Stadt Hameln an. Sie liegt circa 15 Minuten vom Baumhaushotel Aerzen entfernt.

Durch einen Tipp war das Parken easy. Ich parke auf einem öffentlichen Parkplatz in der Baustraße. Von dort geht es durch einen schmalen Durchgang, innerhalb von fünf Minuten, direkt in die Fußgängerzone. Dort biege ich rechtsseitig ab und nach fünf Minuten Rollstuhlfahrt erreiche ich das Ziel auf der rechten Seite. Perfekt!

Das Hamelner Museum ist zurzeit kostenlos besuchbar. Einzig und allein die Angabe der persönlichen Postleitzahl ist aus statistischen Zwecken zu nennen.

Kein Problem und mit automatischen Türöffnern stehe ich im Museum und erkunde die einzelnen Räume. Die Treppen umfahre ich mit den jeweiligen Aufzügen und das behindertengerechte WC ist gut zu erreichen.

Ich sage, alle Daumen hoch, das Museum ist barrierefrei. Bei Problemen steht das äußerst freundliche Personal mit Rat und Tat zur Seite und hilft, wenn nötig.

Die Geschichte vom Rattenfänger aus Hameln kennt die ganze Welt, aber was viele nicht wissen: Die Sage hat einen wahren Kern. Hier die Kurzfassung:

Im Jahr 1284 kommt ein Fremder als Jäger verkleidet zurück nach Hameln und entführt 130 Kinder aus der Stadt. Er hat seinen Lohn nicht erhalten, nachdem er zuvor die Stadt von der Rattenplage befreit hat. Die ganze Geschichte samt Exponaten, Filmen und interessanten Details kann man im Museum erleben.

Hameln ist eine schöne Stadt mit guten Möglichkeiten zum Shoppen, sprich zum Geld ausgeben. ;-) 

Das neue Innenstadtpflaster ist... naja ... sagen wir so: Wir merken, ein Schreibtischtäter war am Werk. Sie ist befahrbar, aber ein glatter Mittelstreifen ist für Rollstuhl- oder Rollatorfahrer sowie Kinderwagen wesentlich besser. Ein leidiges Thema... und eine andere Baustelle.

Bar­rie­re­frei­es Baum­haus Ahorn­hö­he


Zurück im Baumhaushotel Aerzen lasse ich den Tag gemütlich auf meiner Terrasse ausklingen. Der tolle Weitblick, mein Buch und ein Kaltgetränk runden den Tag ab. Ein Träumchen sage ich euch.

Übrigens, das barrierefreie Baumhaus Ahornhöhe hat in der Tat den schönsten Ausblick von allen drei Baumhäusern, wie ich finde. ;-)

Es ist zertifiziert und ist nach den Kriterien der bundesweiten Kennzeichnung "Reisen für Alle" eingestuft. Somit darf es die Auszeichnung "Barrierefreiheit geprüft" tragen. Klasse!

 

Aus­flug nach Bad Pyr­mont


Am nächsten Tag fahre ich hochmotiviert in den Kurort Bad Pyrmont. Diesen erreiche ich ebenfalls innerhalb von 20 Minuten. Bei der Parkplatzsuche tue ich mich ein wenig schwer. Nach einigen Extrarunden stehe ich vor dem Ziel. Auf den ersten Blick ein wunderschöner Kurpark mit Palmen und Springbrunnen: Leider kann ich nur einen kleinen Blick erhaschen, da mein Rollstuhlantrieb den Geist aufgibt und ich deshalb direkt zurückfahre.

Die Stadt ist durch die Kurkliniken und den Kurpark ein beliebtes Ausflugsziel.

Zurück im Baumhaushotel genieße ich die letzten Stunden. Ich knipse ein paar schöne Fotos und lasse die Seele baumeln.

Verlängern kann ich nicht, deshalb frühstücke ich diesen Morgen ausgiebig und tiefenentspannt auf der Terrasse. Weitblick und Ruhe inklusive.

Fa­zit


Summa sumarum kann ich das Baumhaushotel Aerzen wärmstens empfehlen. Einzig und alleine war es mir nicht möglich den Weg vom Parkplatz ins Hotel zu erreichen. Der Schotterweg ist mit meiner reduzierten Armkraft nicht zielführend befahrbar. Ich komme alleine dort nicht hin.

Aber auch dies ist kein Problem, denn die Familie Garvens ist hilfsbereit und macht in diesem Fall den persönlichen Fahrdienst, sprich den Hol- und Bringservice.

Normalerweise ist das nicht mein Ding, aber die Familie strahlt so viel Herzlichkeit und Wärme aus und das Baumhaushotel ist wirklich ein Highlight. Da drücke sogar ich beide Augen für den Weg zu.

Haben wir eine Begleitperson im Schlepptau, schiebt uns diese zum Essen ins Restaurant hinüber.

Und selbst für Gesunde ist das Baumhaushotel ein beliebtes Ziel, eine schöne Geschenkidee. Fahrrad- und Wanderwege gibt es ausreichend. Weitere Ausflugsziele, wie zum Beispiel das Schloss Bückeburg oder das Bienenhaus in Apelern, erreichen wir gut. Auf der Webseite des Hotels gibt es ausreichend Tipps und Informationen.

Ich habe den Kurztrip sehr genossen und sage... heute ist nicht alle Tage, ich komme wieder keine Frage.

Deine Christine!

Eine Frau im Rollstuhl vor einigen Strandkörben am Strand

Die gebürtige Niedersächsin liebt es zu reisen - vor allem an das Meer. Über 33 Jahren wird sie dabei durch MS-Multiple Sklerose begleitet und sie ist im Rollstuhl unterwegs. Auf ihrem Blog "deinechristine.de" berichtet sie über ihr Leben und gibt hilfreiche Tipps für den Alltag und das Reisen mit Handicap. Sie lebt ganz nach dem Motto: Du kannst den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.