Fahrrad auf Weg zwischen Feldern beim Sonnenuntergang, © Robert Wenzel
© Robert Wenzel
Blogger Robert Wenzel
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Ern­te­glück auf zwei Rä­dern


Auf einer abendlichen Fahrradtour zeige ich Ihnen, wie Sie mit Hilfe von mundraub.org Ihre (Urlaubs-)Region aus einer gänzlich neuen Perspektive kennenlernen können. Dabei erkunden Sie nicht nur unbekannte Pfade in Niedersachsen, sondern tanken im Idealfall auch noch eine Menge gesunder Vitalstoffe.  

Mit moderner Technik zurück zur Natur

Viele Menschen möchten ihren Urlaub nachhaltiger gestalten, klimafreundlicher unterwegs sein und auf unnötigen Konsum verzichten. Die Plattform mundraub.org kann Sie dabei unterstützen und darüber hinaus für einzigartige Urlaubserlebnisse sorgen.

Die Datenbank liefert Ihnen die Standorte und Informationen zu verlassenen Obstbäumen, versteckten Sträuchern und wilden Kräutern in der Landschaft. In Niedersachsen sind flächendeckend tausende Standorte auf einer interaktiven Karte verzeichnet. Äpfel, Kirschen, Pflaumen, Mirabellen, Brombeeren, Blaubeeren – das geheime Buffet am Wegesrand ist derzeit prall gefüllt. Das Beste ist: Die eigene Ernte ist regional, saisonal und auch noch biologisch.

 

Ast mit reifen Äpfeln von der Sonne bestrahlt, © Robert Wenzel
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Das Gute liegt so nah

Bei der Radtour handelt es sich um eine Art moderne Schnitzeljagd. Wir begeben uns auf die Suche nach versteckten Relikten der Vergangenheit. Doch was ist an alten Obstbäumen und Sträuchern so besonders? Oftmals handelt es sich um alte, heimische Sorten. Sie zeugen von einer historisch gewachsenen Kulturlandschaft. Obstbäume sind Lebensraum und bieten Nahrung für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Sie schützen das Klima, spenden Schatten und liefern uns herrliche Früchte. Mehr als genug Gründe, den verlassenen Bäumen auf den Grund zu gehen.

Stadt, Land, Überfluss im Celler Land

Eine Tour zu planen, ist ganz einfach - kommen Sie mit auf meine abendliche Radtour durch das schöne Celler Land. In der Datenbank habe ich verschiedene Standorte von alten Obstbäumen ausfindig gemacht und nutze sie als Stecknadeln für meine Tour: rund 15 Kilometer durch ländliche Regionen von Baum zu Baum. Entlang von Wäldern, Wiesen, Feldern und kleinen Ortschaften. Unter dem Motto: Wir teilen gemeinsam was die Natur uns bietet.

Ich starte mit dem Fahrrad am Celler Bahnhof. Im Rucksack haben ich etwas zu trinken, ein Taschenmesser und einige Behälter für die kleinen und großen Schätze am Wegesrand. Für stachelige Beerensträucher lohnt es sich zudem, ein paar Handschuhe dabei zu haben.

Die schöne Fachwerk-Innenstadt von Celle lasse ich heute bewusst links liegen, schließlich steht heute die wilde Natur im Vordergrund. Mein erster Standort – ein alter Apfelbaum – führt mich in einen nördlichen Stadtteil von Celle. Ich fahre entlang von verlassenen Bahngleisen. Am Rande einer Kleingartenkolonie entdecke ich den großgewachsenen Obstbaum. Einige Äpfel liegen bereits am Boden und bieten Nahrung für unzählige Insekten. Ich mache mich lang und pflücke eine Hand voll knallroter Äpfel. Das geht ja gut los. Auch der Sanddorn – die Zitrone des Nordens – ist hier in der Nähe zu finden. Doch Sanddorn wird erst im Herbst geerntet. Es lohnt sich also zu fast jeder Jahreszeit Ausschau nach Pflückbarem zu halten.

ausgestreckte Hand in Richtung eines Astes mit reifen Äpfeln, © Robert Wenzel
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Niedersachsen mit neuen Augen sehen

Ich passiere die Stadtgrenze von Celle und finde mich umgehend zwischen Feldern und Wiesen wieder. Mit jedem rhythmischen Tritt in die Pedale wächst die Entspannung. Die Hektik der anstrengenden Arbeitswoche ist bereits nach wenigen Kilometern gänzlich verflogen. Anderseits bemerke ich, wie meine Sinne für die Natur immer schärfer werden. Plötzlich sehe ich Früchte an den Bäumen, entdecke wunderschöne Blüten, höre das Summen der Insekten und nehme das melodische Gezwitscher der vielen Vögel wahr. Ich beginne die Landschaft zu lesen.

Nach wenigen Kilometern erreiche ich das nächste Dorf. Hier gibt es wunderschöne alte Heidehöfe zu entdecken. Viele Landwirte bieten hier in Selbstbedienungsläden regionale Produkte an. Kartoffeln, Eier, Heidehonig – ein kleiner Abstecher auf die historischen Hofanlagen lohnt sich allemal. Am Rande des Dorfes steht eine Gruppe von knorrigen Apfelbäumen – mein eigentliches Ziel. Doch die Äpfel sind noch nicht ganz reif, daher bleiben sie hängen. Ich lasse das Dorf hinter mir und fahre entlang von wild wuchernden Hecken und Sträuchern zum nächsten Standort. Dabei entdecke ich einen riesigen Strauch wilder Brombeeren, der noch nicht auf der mundraub-Plattform eingetragen ist. Ich notiere mir die Koordinaten, um den Strauch später zur Datenbank hinzuzufügen. Natürlich pflücke ich eine kleine Dose voller Beeren und nehme sie mit.

Strauch mit vielen Brombeeren, © Robert Wenzel
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Der intensive Duft von Kiefernholz steigt mir bei der Fahrt durch den angrenzenden Wald in die Nase. Herrlich! Am Rande der nächsten Ortschaft steht – etwas versteckt – ein vollbehangener Mirabellenbaum. Ich schüttele leicht an einem Ast und sammele reichlich reifer Früchte auf. Durch das Blätterdickicht sehe ich auf der Wiese eine Gruppe junger Störche, die etwas unbeholfen durch die Lüfte segeln und für den großen Abflug in die Überwinterungsgebiete im Süden üben. Ich halte an und beobachte dieses Naturschauspiel für einige Minuten. Das entschleunigte Vorankommen auf dem Rad lässt mich die Region auf eine ganz neue Art und Weise kennenlernen.

 Fluss Lachte mit spiegelndem Sonnenlicht, © Robert Wenzel
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Es geht weiter. Ich überquere die Lachte – einen wildromantischen Fluss der Südheide, der zu bestimmten Jahreszeiten und Pegelständen mit kleinen Paddelbooten befahren werden kann. Entlang des Aller-Radweges durch saftig grüne Feuchtwiesen geht es schließlich wieder Richtung Celle. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages fallen auf eine Gruppe zotteliger Hochlandrinder. Ich genieße das warme Abendlicht, bevor ich die ersten Ausläufer von Celle wieder vor mir sehe. Ich erreiche meinen Ausgangspunkt, den Celler Bahnhof in der Dämmerung und schaue auf meine Ausbeute: Äpfel, Mirabellen, Brombeeren. Was ich daraus wohl alles machen werde?

Hochlandrind isst Gras am Abend, © Robert Wenzel
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Auf mundraub-Tour: Was gilt es zu beachten?

So eine Tour können Sie mit Hilfe der Plattform mundraub.org überall in Niedersachsen selbst planen. Selbstverständlich müssen Sie nicht unbedingt eine eigene Route entwerfen. Erkunden Sie zum Beispiel, ob schöne Obstbäume entlang unserer bereits ausgearbeiteten Radrouten liegen. Natürlich müssen sich alle Mundraubende an bestimmte Spielregeln halten, um respektvoll mit der Natur und der regionalen Kultur umzugehen.

Die mundraub-Alternative für Niedersachsen – das Gelbe Band

Seit dem Sommer 2020 gibt es speziell in Niedersachsen ein weiteres Angebot, mit dem Obstbäume zum kostenlosen selberpflücken gefunden werden können – das Gelbe Band. Das ZEHN (Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen) initiiert und koordiniert das Projekt. So funktioniert es:

Obstbäume suchen, auf ein gelbes Band achten, denn ein gelbes Band am Stamm signalisiert: Dieser Baum darf gratis und ohne Rücksprache abgeerntet werden. Mehr Informationen über das Ernteprojekt "Gelbes Band".

Der Erntekalender für den Herbst

In Herbst warten unter anderem folgenden Früchte darauf, von Ihnen geerntet zu werden:

  • Äpfel
  • Birnen
  • Quitten
  • Brombeeren
  • Sanddorn
  • Hagebutte
  • Schlehe
  • Haselnuss
  • Walnuss

Den Erntekalender von mundraub.org können Sie hier downloaden.

Blogger Robert Wenzel

„Nach mehreren Stationen im In- und Ausland ist Robert in seine alte Heimat Niedersachsen zurückgekehrt. Nun lebt er wieder am Rande der wunderschönen Residenzstadt Celle. In seiner Freizeit durchstreift er am liebsten die Natur in der nahgelegenen Südheide auf der Suche nach Seeadler, Eisvogel oder Schwarzstorch. Im Niedersachsen-Blog teilt er seine persönlichen Tipps und Tricks für nachhaltige und klimafreundliche Erlebnisse in Niedersachsen.“