Drei Frauen stehen an einem Baum während des Waldbadens, © Tourismusgesellschaft Osnabrücker Land
© Tourismusgesellschaft Osnabrücker Land
Maria Anna Schröder

In­ter­view mit Ma­ria An­na Schrö­der


Maria Anna Schröder

Alles über die Heilkraft des Waldes verrät uns

Maria Anna Schröder
Kursleiterin Waldbaden


Waldbaden ist ein Trend-Thema der letzte Jahre - woher kommt es ursprünglich?

Der Ursprung des Waldbadens liegt in Japan - dort wird es Shinrin-Yoku (Baden in der Atmosphäre eines Waldes) genannt. 1984 hat Dr. Qing Li (Professor an der Nippon Medical School in Tokio) das Waldbaden ins Leben gerufen. In Japan war derzeit der Krankenstand bedenklich hoch und er hatte das Gefühl, der Wald könne helfen. Was damals nur ein Gefühl war, hat er bis heute zur Wissenschaft gemacht. Ich traf ihn 2019 auf dem Waldbadenkongress der Berliner Landesforsten in Berlin. Er sagte: „es gibt Menschen, die studieren Medizin und es gibt Menschen, die studieren Wald - ich studiere Waldmedizin“. Jetzt ist in Japan das Waldbaden bereits seit Jahrzehnten etabliert und sogar schulmedizinisch anerkannt. Es gehört dort offiziell zur Gesundheitsvorsorge. In Deutschland wird es immer mehr auch an Kliniken zur Rehabilitation und auch zur Vorsorge als Baustein mit der Schulmedizin integriert.

Was macht die gesundheitsfördernde Wirkung des Waldbadens aus?

Das Waldbaden steigert das Immunsystem durch die im Wald vorhandenen Terpene, das sind Pflanzenbotenstoffe (Phytonzide), die in der Lage sind, mit unserem Immunsystem zu kommunizieren.

Waldbaden

  • stärkt den Blutdruck
  • reduziert Stress
  • verbessert die Stimmung
  • verbessert die Konzentrationsfähigkeit, auch bei Kindern
  • beschleunigt die Genesung von Operationen oder Krankheiten
  • erhöht das Energieniveau
  • und verbessert den Schlaf.

Weiterhin wird das Herzschutzhormon DHEA vermehrt ausgeschüttet. Diese Aussagen sind durch wissenschaftliche Studien belegt. 

Gibt es in den niedersächsischen Wäldern etwas Besonderes zu entdecken?

Der Wald ist in Niedersachsen ein bedeutsamer Naturraum. Die Waldfläche Niedersachsens umfasst rund 1,2 Millionen ha. Das sind 25% der Landesfläche. Sehr viel Platz also für Erholungssuchende. Aber dabei darf man auch nicht vergessen, dass Wald nicht gleich Wald ist. Neben den Waldflächen im Besitz der Landesforsten gibt es ausgewiesene Naturschutzgebiete und auch Wälder, die privatwirtschaftlich genutzt werden. Insofern gilt: Bitte auf den Wegen bleiben, um weder Tiere noch andere Waldnutzer zu stören.

Ein Highlight für Naturfans in Niedersachsen ist sicherlich der Natur- und Geopark TERRA.vita mit Teutoburger Wald und Wiehengebirge. Hier gibt es mit unzähligen Naturdenkmalen und geologischen Phänomenen 300 Millionen Jahre Erdgeschichte zu entdecken. Mittendrin liegt das Osnabrücker Land. Hier bieten in den Heilbädern und Kurorten Bad Iburg, Bad Laer, Bad Essen und Bad Rothenfelde bereits seit 2018 geschulte Trainer*innen Kurse zum Waldbaden mit unterschiedlichen Schwerpunkten an.

In Bad Laer beispielsweise können Interessierte aus einem Angebot wählen, das von Waldbaden mit Yoga-Elementen bis hin zu barrierefreiem Waldbaden reicht. In Bad Essen bieten die wöchentlichen „Waldspaziergänge“ eine gesunde Mischung aus Bewegungs-, Yoga- oder Qi-Gong-Elementen, um die bewusste Naturwahrnehmung zu stärken. Am Baumwipfelpfad in Bad Iburg gibt es unter anderem das Waldbaden intensiv & exklusiv, welches ich für zwei Personen anbiete.

Natürlich gibt es dort auch öffentliches Waldbaden und Waldbaden für gebuchte Gruppen. Da Bad Iburg ein Kneipp-Kurort ist, werden beim Waldbaden die 5 Säulen von Kneipp mit dem Waldspaziergang vereint, so wie es Sebastian Kneipp schon vor 100 Jahren gelehrt hat.

In Bad Rothenfelde bietet beispielsweise als Alleinstellungsmerkmal die Teutoburger Wald Klinik in ihrem wunderschönen Parkgelände mit historischem Baumbestand Kurse an. Auch Hotels entdecken das Thema immer mehr für sich, so können beispielsweise Gäste im familiengeführten Hotel Noltmann-Peters auf dem hoteleigenen Waldstück Waldbaden.

Brauche ich eine Anleitung oder kann ich auch alleine Waldbaden?

Das kommt darauf an. Menschen, die die Philosophie des Waldbadens schon für sich entdeckt haben, können natürlich auch alleine Waldbaden. Aber viele Menschen, die auch in der Natur gerne mal in den „Funktionsmodus“ schalten und die sportliche Betätigung in den Vordergrund stellen, freuen sich in der Regel sehr über eine Anleitung zum Waldbaden und sagen mir danach, dass sie den Wald so noch nie erlebt haben und ihn nun ganz anders wahrnehmen.

Welche körperliche Kondition ist notwendig?

Waldbaden ist nicht mit Wandern gleichzusetzen. Sondern es gilt: alles kann, nichts muss. Es geht dabei darum, sich einfach treiben zu lassen. Beim Waldbaden sind wir insofern langsam und entschleunigt unterwegs und es ist für Jedermann geeignet. Offenheit und Neugierde sollten im Gepäck sein und das Handy sollte beim Waldbaden ausgeschaltet bleiben. Auch Menschen, die den Wald aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aufsuchen können, profitieren von spezifischen Walddüften, die Erinnerungen an frühere, schöne Naturerlebnisse wachrufen.  

Besucherinnen und Kursleiterin während des Waldbadens im Osnabrücker Land, © Tourismusgesellschaft Osnabrücker Land
© Tourismusgesellschaft Osnabrücker Land

Ist Waldbaden auch für Kinder geeignet?

Da unsere Kinder in der heutigen Zeit schon oft an einem Naturdefizitsyndrom leiden, sollte der Wald wieder als Abenteuerspielplatz entdeckt werden. Ganz wichtig ist, dass gerade junge Menschen eine emotionale Beziehung zur Natur aufbauen, um sensibel mit der Umwelt umzugehen. Was Kinder schon in jungen Jahren lieben und schätzen lernen, schützen sie auch als Erwachsene.

„Raus aus der Hektik“ weg vom Lärm und den Kopf freibekommen. Das hört sich einfach an, ist aber für viele Heranwachsende eine große Umstellung. Die meisten Trends haben sich in den letzten Jahren immer mehr auf Leistungsorientiertheit verschoben. Da das Einfluss auf unsere Kinder hat, ist der Wald wichtiger als jemals zuvor. 

Welche Tipps haben Sie noch für uns?

Festes Schuhwerk, zur Jahreszeit passende Kleidung und ein Rucksack mit etwas zu Trinken und ein kleiner „Notproviant“ sollte jeder Teilnehmende zum Waldbaden mitbringen.

Die Natur ist eine wunderbare Plattform, um Achtsamkeit zu schulen. Kommen wir ohne Erwartungen und Absichten können wir uns komplett in das bewusste Erleben des Gegenwärtigen hineinbegeben. Offen sein für alle Eindrücke und neugierig in der Haltung eines Anfängers den Wald erkunden. Lassen Sie sich inspirieren von den Formen und Farben, schnuppern Sie an jungen Trieben der Bäume, an Gräsern und Blüten. Seien Sie ruhig ein wenig experimentierfreudig. Versuchen Sie staunend, wie ein Kind die Natur im Hier und Jetzt zu erleben. Genießen Sie mit allen Sinnen – hören, sehen, riechen, tasten und schmecken.

Beim achtsamen Erleben in der Natur öffnen wir nicht nur unsere Sinne, sondern auch unsere Herzen. 

Stand: Mai 2021

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