Blick auf den Stimbekhof in der Lüneburger Heide
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Zu Gast auf dem Stim­bek­hof


Nachhaltig, achtsam, regional: Auf dem Stimbekhof in der Lüneburger Heide gehen die Uhren ein klein wenig anders – wie schön

Anreise zur Blauen Stunde. Lichter Nebel schwebt über der Lüneburger Heide. Der Stimbekhof, eines der ältesten Gebäude der Region, liegt mitten im Naturschutzgebiet etwas abseits in Oberhaverbeck zwischen alten, hohen Bäumen. Auf dem Parkplatz ist nur noch ein Plätzchen frei, obwohl kein Wochenende ist. Wow! Trotzdem still hier. Unwillkürlich schiebe ich den Rollkoffer über die Wiese zum reetgedeckten Haupthaus, um keinen Krach zu machen. Auf der Terrasse beim Restaurant sitzen noch ein paar Pärchen im Kerzenlicht und unterhalten sich leise. Jovitha James, eine von drei Geschäftsführenden hier, zapft gerade ein Bier und begrüßt mich freundlich: „Du hast die Nummer zwei, bring erst mal alles nach oben und komm’ in aller Ruhe an! Möchtest du noch etwas trinken, dürfen wir dir was zu essen machen?“ Ja, gerne. Und, nein, nicht nötig. Bis gleich. Ich lächele und merke, wie der ganze Fahrstress mit einem einzigen großen Plumps von mir abfällt. Ich bin da – und es fühlt sich fast so an, als ob ich von guten Freunden und Freundinnen erwartet worden wäre.

Re­gio­na­le Spei­sen & Se­cond-Hand-Mö­bel


Kurz darauf schaue ich bei einem Weizenbier zu, wie sich das Blau über dem Fachwerk-Reetdachhaus des Stimbekhofs langsam in Nachtschwarz verwandelt. Dann steige ich die Treppe zu meinem Zimmer hinauf. Es ist nicht groß, aber sehr gemütlich – mit Mineralwasser und Apfel auf dem Tisch und Bioschokolade auf dem Kopfkissen. „Bei uns ist nichts Zufall“, erzählt mir am nächsten Tag Geschäftsführer Björn Bohlen. „Diese Liebe zum Detail ist uns wichtig, das ist Teil des Konzepts, das auf den drei Säulen Regionalität, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit ruht.“ Das klingt erst einmal etwas allgemein und theoretisch, aber Björn fasst zusammen, was das für die drei jungen Leute, die den Stimbekhof mitten in der Corona-Pandemie übernommen haben, bedeutet: regionale Speisen aus der Heide, ein komplett verpackungsfreies Frühstück mit viel Selbstgemachtem, in modernem Landhausstil eingerichtete Zimmer mit vielen alten, liebevoll renovierten Möbeln, die Björn, Sabrina und Jovitha Second Hand gekauft haben. Ein Führungsstil, zu dem gehört, dass alle Mitarbeitenden gemeinsam frühstücken. Hängematten, Waldliegen und eine Baumschaukel auf dem Gelände. E-Bikes für Ausflüge in die Lüneburger Heide. Ein Haus, dessen kulinarisches Angebot nur den Hausgästen zur Verfügung steht, damit es nicht zu trubelig wird.

Al­le pa­cken mit an


Wird es hier bestimmt nicht: Geweckt werde ich von Vogelgezwitscher und einem Hahnenschrei. Ich linse aus dem Fenster und sehe den im warmen Morgenlicht liegenden Hof mit seinen insgesamt sechs Gebäuden. Beim Frühstück plaudert Sabrina Walterscheidt, die dritte Chefin im Bunde, freundlich mit den Gästen: „Heute gibt’s neben einem Birnen-Ingwer-Shot auch unsere Birnenmarmelade, die sollten Sie unbedingt probieren! Aber wir haben natürlich sonst auch andere Konfitüren, die wir Ihnen gerne bringen können.“ Ja, bestätigt Björn später, „wir stellen tatsächlich immer nur eine Sorte Marmelade aufs Büffet, weil wir finden, dass es nicht immer alles geben muss. Aber dafür ist diese eine Marmelade selbst gemacht und sie wechselt täglich.“ Die drei jungen Hotelfachkräfte haben sich während der Ausbildung gefunden und sich mit dem Stimbekhof einen Lebenstraum erfüllt – nun arbeiten sie als Gastgeber an einem dynamischen, jungen, etwas anderen Hotelkonzept. Das Ziel: Gästen und Mitarbeitenden soll es gut gehen. Björn macht auch mal mit die Zimmer sauber, um den Kontakt zu den Basisdingen nicht zu verlieren. Jovitha kümmert sich um die Kommunikation und die Buchungen, Sabrina backt am frühen Nachmittag mit zwei Mitarbeiterinnen ihre mittlerweile schon ein bisschen legendären Apfelwaffeln nach Geheimrezept. „Wir möchten, dass unsere Gäste hier zur Ruhe kommen und das ab der allerersten Minute“, erzählt Björn weiter. „Zur Achtsamkeit gehört für uns aber auch, dass wir uns dabei nicht komplett auspowern, sondern uns auch selbst Pausen gönnen – etwa indem wir oft am Nachmittag wenigstens einen kurzen Spaziergang mit dem Hund machen.“

Hei­ßer Ka­kao am Ka­min


Das Team genießt derzeit die erste richtige Sommersaison, aber es freut sich auch auf den Herbst und Winter: „Wir finden, dass die Heide zu jeder Jahreszeit schön ist“, sagt Björn. „Und wenn die Gäste dann nach einem bunten Herbstspaziergang oder einer frösteligen Winterwanderung zurück ins Haus kommen, dann prasselt schon das Feuer im Kamin. Im Kaminraum kann man sich dann einen heißen Kakao bestellen und in die Flammen schauen – oder sich zum Lesen in die kleine Bibliothek nebenan zurückziehen. Auch eine nachmittägliche Heide-Teezeit im Teezimmer ist ab November geplant. „Dann gibt es nicht nur feine Blatttees, sondern natürlich auch Snacks wie Cranberry-Scones und Sandwiches – very British, aber mit Früchten von hier und Heidschnuckenschinken.“

Lieb­lings­plät­ze


Ich probiere nach dem Gespräch mit Björn erst einmal eine der Hängematten aus, die zwischen den alten Bäumen aufgespannt ist. Schaukele sanft, schaue zu den Baumkronen empor, genieße die Stille. Vom späten Vormittag bis zum frühen Nachmittag ist Ruhezeit auf dem Hof. Die Hotelleitung ist dann nur im Notfall zu erreichen. Die Gäste gehen ihrer Wege oder chillen irgendwo auf dem Gelände, das viele abgeschiedene Ecken und Lieblingsplätze hat.

Durch die san­di­ge Hei­de


Auf liebevoll zusammengewürfeltem altem Geschirr werden am Nachmittag dann die frisch gebackenen Apfelwaffeln serviert. Es ist, als ob die kleine, verschworene Stimbekhof-Gemeinschaft nun wieder wie selbstverständlich zusammenströmt. Die Terrasse füllt sich, die Waffeln lässt man sich augenscheinlich nur ungern entgehen. Ich sehe ein paar der Gesichter vom Vorabend wieder und tauche die Gabel in die Sahne mit der mürben Waffel, in der auch ganz viele Äpfel verbacken wurden. Die kleine Radtour mit den E-Bikes, die wir am Nachmittag noch zwischengeschoben haben, um ein Stück spätsommerliche Bilderbuch-Heide zu durchfahren, hat doch hungrig gemacht. Und das, obwohl die Räder mit ihrer Batterie und den fetten Reifen einem die halbe Arbeit auf den Sandwegen abnehmen. Björn setzt sich noch einmal kurz zu uns und fragt, wie wir die Waffeln finden. Zwei Daumen gehen hoch. Das Erfolgsgeheimnis des Stimbekhofs ist denn auch schnell in einem Satz zusammengefasst. Björn übernimmt das gerne: „Uns macht das einfach Freude. Wir lieben all diese Dinge, die der Seele guttun, genauso wie ihr.“

Mehr Infos gibt es hier: stimbekhof.de