Sabine Bassen vor dem Melkhus in Scheeßel, © Haase 2017 / Melkhus Scheeßel
© Haase 2017 / Melkhus Scheeßel
Ulrike und Werner Schuback vom Obstparadies Schuback, © Uta Schuback/ Obstparadies Schuback
© Uta Schuback/ Obstparadies Schuback

Interview mit Ulrike Schuback und Sabine Bassen


Ulrike Schuback, Obstparadies SchubackSabine Bassen vor dem Melkhus in Scheeßel

Fragen an Ulrike Schuback vom Obstparadies Schuback in Jork (Altes Land) und Sabine Bassen von Bassen’s Bauernladen und Melkhus in Scheeßel (TouRow):

Während die Familie Schuback im 16. Jahrhundert bereits in der Landwirtschaft tätig war, öffnete das Melkhus der Bassens erst 2014. Wie wichtig sind euch Tradition und Innovation in der täglichen Arbeit?

Ulrike Schuback: Das ist sehr wichtig, denn das ist unser Lebenserhalt und Tradition bedeutet für uns Nachhaltigkeit. Es wird auf ein und demselben Boden gearbeitet, ohne Müdigkeit und Wachstumsverluste. Unter den Altländern wird schon seit mehreren Jahrhunderten nachhaltig gearbeitet. Die Familie Schuback im Alten Land ist sogar bereits seit 1408 in der Landwirtschaft tätig.

Sabine Bassen: Großes Geldverdienen geht mit dem Melkhus nicht. Das ist auch nicht unser Ziel. Für uns steht die Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft von heute absolut im Vordergrund.

Unser Melkhusbetrieb ist jedoch anders als viele andere, da wir einen Schweinebetrieb mit Hühnern, Enten und Gänsen betreiben. In den Milchviehbetrieben kann man häufig noch direkt in die Stallungen gehen.
Das ist bei uns aufgrund der Hygienebestimmungen so natürlich nicht möglich. Mit dem Modell „Gläserner Stall“ erhalten unsere Gäste jedoch auch sehr gute Eindrücke von unseren Betriebsabläufen. Zudem informiert die gesamte Familie jeden Gast auf Wunsch, was wir in der Landwirtschaft machen.

Welche Leckereien bietet ihr beide im Obstparadies Schuback in Jork und in Bassen’s Bauernladen bzw. im Melkhus in Scheeßel an? Zählt uns doch mal drei auf!

Ulrike Schuback Das wären unter anderem Äpfel, Kirschen und Birnen. Diese werden dann weiter veredelt zu Säften, Fruchtmark, Fruchtaufstrichen und Fruchtsaftgummi.

Sabine Bassen: Liev und Lev: Buttermilch mit Grenadine und Pfirsichsaft, Spagetti-Quark mit Erdbeer-Minz-Soße oder Kuhler Kaffee: Milch mit Kaffee und Kakao.

Das ist das Besondere an euren Produkten?

Ulrike Schuback: Das besondere an unseren Produkten ist, dass alle auf Eigentumsflächen produziert worden sind.

Sabine Bassen: Wir stellen alle Produkte bzw. Waren selbst her und beziehen sie auch von Landwirten, Molkereien und Direktvermarktern aus der Region. Die Produktqualität in Form von Geschmack und Aussehen steht für uns an oberster Stelle. Unsere Gäste schmecken das mit allen Sinnen.

In der Region gibt es viele Melkhüs und von den Melkhüs-Damen im Landkreis Rotenburg (Wümme) ist sogar ein Melkhüs-Kochbuch mit 112 Rezepten entstanden. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Sabine Bassen: Wir Melkhus-Damen im Landkreis Rotenburg (Wümme) sind in der Vergangenheit mehrfach angesprochen worden, wie unsere Produkte zu bereitet werden. Daraus entstand die Idee, dieses Melkhus-Kochbuch zu erstellen. Wir haben unsere Gerichte und Rezepte gesammelt, die sich auch auf die Hausmannskost bzw. regionale Küche beziehen, und haben daraus dieses bunte kulinarische Buch erstellt.

Typisch für den Landkreis Stade sind Hofcafés und Hofläden, in denen man frische Produkte direkt vom Erzeuger kaufen kann. Was ist hier besonders lecker und warum sollten Besucher unbedingt einen Abstecher machen?

Ulrike Schuback: Die Hofcafés bestechen durch ihre große Individualität. So sind sie z.B. idyllisch unter Apfelbäumen gelegen, haben ein Apfellabyrinth oder man kann in der Apfelplantage ein vorab bestelltes Picknick einnehmen. Allen gemein ist jedoch die hohe Qualität im Angebot von Kaffee und Kuchen. Gerade jetzt gibt es in den Hofläden die frischen regionalen Produkte: Spargel, Erdbeeren, Kirschen und im Sommer werden es wieder die Äpfel und Birnen sein. Daraus machen die Höfe dann tolle Produkte, wie Säfte und Marmeladen. Cidre, Schnaps und Honig sind auch im Angebot.

Die Obsternte spielt im Alten Land eine sehr wichtige Rolle und auch die grünen Holz Melkhüs mit rotem Dach sind typisch. Warum sollten Besucher beides unbedingt einmal hautnah erleben?

Ulrike Schuback: Das Alte Land ist eine einmalige Kulturlandschaft. Sie ist geprägt durch fruchtbare Böden mit 80 Bodenpunkten und einer guten Wasserverfügbarkeit für den Obstanbau. Außerdem haben wir kurze Vermarktungswege zur Stadt Hamburg. Es gibt hier die typischen Fachwerkhäuser und das Alte Land ist nicht nur für Radfahrer eine beliebte Urlaubsregion.

Sabine Bassen: Allein schon die Besonderheiten der einzelnen Melhüs. Jedes ist anders und individuell. Jedes hat einen anderen Garten, die Innenausstattung ist überall anders und doch sehr besonders. Die liebevolle Ausstattung mit dem Hang zum Detail zeichnet unsere Milchraststätten aus, sowie die leckeren Milchshakes, Quarkspeisen, Eis und der selbstgebackene Kuchen. Mal steht das Melkhus direkt an der Scheune, dann ist es im Stall sogar integriert oder liegt völlig alleine auf einer grünen Wiese mit Blick auf die Stallungen und Hof. Fast alle Melkhüs befinden sich im Außenbereich von Orten. Hier wird Landidylle ganz großgeschrieben.

Was bringt Kinderaugen hier zum Leuchten?

Ulrike Schuback: Da gibt es eine Menge. Den Kindern macht es immer Spaß, selber Äpfel zu pflücken und am hauseigenen Strand baden zu gehen oder und zu picknicken. Aber auch für die ganze Familie wird der Besuch zu einem Erlebnis. Es gibt beispielsweise die Möglichkeit, unter freiem Himmel zu kochen und sich zwischen den Apfelbäumen das Ja-Wort zu geben. Darüber hinaus findet jährlich das Apfel- und Kürbisfest statt, wo die Kinder sich beim Kürbis ausstechen austoben können.

Sabine Bassen: Jedes Melkhus hat einen eigenen Spielplatz. Die großen Freiflächen zum Spielen und Toben sind besonders toll für die Kinder. Überall gibt es Einblicke in die Bauernhöfe, oftmals sogar zum Anfassen. Abgerundet wird das alles durch super leckere Milch- und Eisprodukte. Wir bieten den Kindern echte Bauernhoferlebnisse. Wenn bei uns die Kinder sich die Nase an der Scheibe plattdrücken und auf der anderen Seite die kleinen Ferkel mit ihrer Rüsselscheibe schnüffeln, dann bekommen Groß und Klein leuchtende und strahlende Augen.

Gibt es besondere Events oder einen bestimmten Zeitpunkt, zu dem man euch auf jeden Fall besuchen kommen sollte?

Ulrike Schuback: Besonders in der Zeit, wo die Blüten beginnen zu blühen und bis hin zur Ernte der jeweiligen Frucht.

Sabine Bassen: Unsere Melkhus-Saison geht von Anfang Mai bis Anfang Oktober. Wir bieten dann an sieben Tagen der Woche ein Bauernhof- und Melkhus-Erlebnis. Unter der Woche ist es etwas ruhiger, am Wochenende kommen natürlich mehr Gäste zu uns.

Die erste Blüte am Kirschbaum, der erste Biss in einen saftigen Apfel: Gibt es etwas, worauf ihr euch persönlich jedes Jahr aufs Neue ganz besonders freut?

Ulrike Schuback: Ich freue mich besonders, wenn wir unser Obst frei von Hagel in die Kisten bekommen und natürlich auf alle unseren großen und kleinen Gäste.

Das Melkhus Scheeßel liegt am NORDPFAD „Kirchsteg-Moore-Bäche“ und am Wümme-Radweg – also ein idealer Zwischenstopp. Was gibt es in der Gegend zu entdecken?

Sabine Bassen: Ja, bei uns gibt es viele Radler und Wanderer, die zu uns kommen. Die NORDPFADE-Wanderer schicken wir dann häufig zum Bartelsdorfer Kirchsteg, der längsten Holzbrücke im gesamten Landkreis Rotenburg (Wümme). Wenn die Veerse randvoll gefüllt ist und sogar über die Ufer tritt, ist es hier einmalig und traumhaft schön. Alle können dann ihre Füße im Wasser baden.

Radlern und Wanderern empfehlen wir zudem die neue Blaudruck Dauererstellung auf dem Meyerhof in Scheeßel. Der Blaudruck ist ein altes Handwerk, welches inzwischen als UNESCO Weltkulturerbe anerkannt ist. In der Ausstellung gibt es viel zu entdecken und ausprobieren.

Im Süden der Elbe ist das Obstparadies Schuback in Jork auch in eine tolle Gegend eingebettet…

Ulrike Schuback: Das stimmt, dort gibt es vieles zu entdecken. Wir haben  diverse Radwege und mit Buxtehude und Stade auch zwei nahegelegene Hansestädte. Ein Tagesausflug dahin lohnt sich immer.

Inwieweit spiegelt die Kulinarik der Region die Menschen und die Besonderheit der Region Nordsee-Elbe-Weser wider?

Ulrike Schuback: Altländer sind sparsam, zurückhaltend, traditionsbewusst und nicht arbeitsscheu. Das findet sich natürlich auch in unseren kulinarischen Gewohnheiten wieder. Zu den Hauptnahrungsmitteln gehören dabei Fleisch, Äpfel, Obstler, Diekpedder und noch vieles mehr!

Stand: Juni 2020