Kaiserdom Königslutter
© Fotoarchiv der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz / A. Greiner-Napp

Interview mit Jan-Christoph Ahrens


Jan Christoph Ahrens

Interessante Tipps zu Zeitreisen im Braunschweiger Land gibt

Jan-Christoph Ahrens
Geschäftsstellenleiter der TourismusRegion BraunschweigerLAND e. V.


Mühlenmuseum in Gifhorn, Städtisches Museum Schloss Salder, Museum für Photografie in Braunschweig: Das sind nur drei von mehr als 100 Einrichtungen, die sich zu den zeitORTEN zusammengeschlossen haben. Natürlich hat jede ihren ganz eigenen Reiz. Kannst du uns deine Top 3 verraten? Was begeistert dich an ihnen?

Jeder der zeitORTE hat seinen ganz besonderen Charme, da fällt die Wahl schwer. Unsere Top-Attraktion ist natürlich die Autostadt in Wolfsburg, in der die Welt der Mobilität immer wieder neu inszeniert wird. Im Zonengrenz-Museum in Helmstedt und bei der dazugehörigen Rundfahrt „Grenzenlos“ wird die deutsch-deutsche Teilung thematisiert, die ich ja als Kind gebannt mitverfolgen konnte. Den Schrecken, der von der innerdeutschen Grenze ausging, kann man heute noch eindrucksvoll nacherleben. Das ist für mich jedes Mal ein Gänsehautmoment. Sehenswert ist auch das Kloster Isenhagen – besonders, weil das Kloster noch heute bewohnt ist. Die Äbtissin gibt bei Führungen einen wunderbaren Einblick in die Geschichte des Klosters vom Mittelalter bis heute. Ein sehr authentisches Erlebnis.

Wann begann dein Interesse an Geschichte und hast du das Fach auch studiert? Wenn ja, wo?

Ich hatte schon als Kind Interesse an Kunst, alten Kulturen und am Entdecken neuer Orte. Deshalb habe ich dann auch Tourismusmanagement studiert und bin dafür von Niedersachsen ins Breisgau gezogen. Aber es hat mich zurück in die Heimat gezogen: Gelebte Geschichte, Weltsensationen und hervorragende Museen gibt es auch bei uns. Dafür möchte ich nach wie vor neue Gäste begeistern.

Das Schöninger Forschungsmuseum wurde neben der Fundstelle der ältesten Jagdwaffen der Menschheit - die Schöninger Speere - errichtet. Eine Weltsensation!

Neben den Original-Speeren gibt es viele weitere faszinierende Ausstellungsstücke und Informationen rund um das Leben des Homo heidelbergensis in der Dauerausstellung zu sehen. Wie hat er gelebt und gejagt? Wie sah die damalige Landschaft aus und welche Tiere und Pflanzen gab es zu der Zeit? Und die Sensation geht ja immer weiter. Gerade haben die Archäologen den neuesten Sensationsfund der benachbarten Grabungsstelle vorgestellt: das nahezu vollständige Skelett eines eurasischen Waldelefanten, der vor rund 300.000 Jahren im Landkreis Helmstedt lebte. Ich bin sehr gespannt, was uns dort in Zukunft noch erwarten wird.

Ihr gliedert die zu entdeckenden Orte gern nach Epoche: Ur- & Steinzeit, Mittelalter & Renaissance, Barock & Aufklärung, Industrialisierung & Moderne und Gegenwart & Zukunft. In welcher Zeit würdest du gerne aufwachen, wenn du auf Zeitreise gehen könntest?

Ich würde gerne mal ein Mammut sehen – derzeit haben wir eines im Eiszeitgarten im Städtischen Museum Schloss Salder in Salzgitter. Oder mit Till Eulenspiegel durch die Lande ziehen und ihn bei seinen Späßen beobachten. Oder mit Lessing frühstücken und über die Ringparabel philosophieren. Oder mit Herzog Anton Ulrich reisen und ihm helfen, Exponate für das heutige Naturhistorische Museum und das Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig zu sammeln. Oder in der Ilseder Hütte bei der Produktion zuschauen und eigentlich auch mal hundert Jahre in die Zukunft reisen um zu sehen, was aus uns geworden ist.

Was fasziniert dich an diesen Epochen?

Jeder unserer Zeitreise-Epochen hat etwas ganz Besonderes, da möchte ich mich gar nicht festlegen. Es ist einfach unglaublich viel passiert

Und was würdest du aus unserer heutigen Zeit mitnehmen?

Einen Fotoapparat. Die KollegInnen in den Museen sagen immer zu mir: „Wir dokumentieren und konservieren für die Ewigkeit.“ Hätte ich also die Chance, in der Zeit zu reisen, würde ich diese Arbeit gerne unterstützen.

Ist eine Zeitreise so entspannend, weil sie die Menschen aus dem Alltag holt und weit weg von allen Problemen in eine andere Welt versetzt? Und wenn ja, ist das auch der Clou an den zeitORTEN?

Durch die Zeit zu reisen ist ein lang gehegter Menschheitstraum. Eine kleine Auszeit vom Alltag tut doch immer wieder gut – man muss sich einfach einlassen auf das, was es zu erleben gibt und kann dann auch seine Probleme für einen Moment vergessen. Wenn wir den Traum der Zeitreise mit unseren zeitORTE-Partnern ein bisschen wahr machen können, freut uns das natürlich sehr.

Welche fünf Einrichtungen würdest du besonders Familien mit Kindern empfehlen? Und was begeistert die Kinder da erfahrungsgemäß am meisten?

Wir sind natürlich sehr stolz, dass die Lessingstadt Wolfenbüttel ein KinderFerienLand-Ort ist und die Angebote familienfreundlich ausgerichtet sind – ob digitale Schnitzeljagd oder Besuch im AHA-ERLEBNISmuseum – das begeistert die Kleinen immer. Für Faszination sorgt auch immer das phaeno in Wolfsburg. Mit über 350 Experimentierstationen sind dem „Entdeckertrieb“ keine Grenzen gesetzt. Tolle Angebote für Kinder gibt es auch im Planetarium Wolfsburg oder in der VfL-FußballWelt, in der man selber zur Mannschaft gehört und so einiges erlebt. Und gerade im Sommer empfehle ich einen Besuch in unseren Freibädern: Viele sind offizielle KinderFerienLand-Betriebe und perfekt für einen kleinen „Urlaub vor der Haustür“.

Was ist noch das Besondere an der Kulturszene im Braunschweiger Land und kennzeichnend für diese Region?

Vom Staatstheater in Braunschweig über Gastspielhäuser hin zu Kleinkunst ist die Kulturszene breit gefächert. Regelmäßig gibt es Poetry Slams oder im Haus der Wissenschaft Science Slams. Dazu eine Vielzahl an Festivals, klassischen Stadtfesten oder jährlich wiederkehrenden Events: Die Sommernacht am Kaiserdom in Königslutter ist ein persönliches Highlight für mich. Kennzeichnend für die Region sind sicherlich auch die Industriekultur und das große Angebot an Werksführungen und Betriebsbesichtigungen. In Salzgitter kann man im Hüttenwerk dem Stahlgießer über die Schulter schauen, bei Jägermeister die riesigen Eichenfässer bestaunen und im Peiner Land zum Beispiel eine GenießerManufakt(o)ur inklusive Besuch bei Pelikan, der Privatbrauerei Härke und in der Senfmühle machen. Das sind einmalige Erlebnisse, die man so schnell nicht vergisst!

Welchen Vorteil bietet der Zusammenschluss der zeitORTE für die Besucher? Gibt es z.B. Rabatte oder Gutscheine in der zeitORTE-App?

Die Besucher haben durch das Netzwerk der zeitORTE gebündelte Informationen zu allen Attraktionen und Angeboten in unserer Region an einem Ort. Außerdem kann sich jeder Besucher entscheiden, in welche Zeitepoche er reisen möchte und hat dann verschiedene Orte, die er bereisen kann. Und das Beste: Mit unserer zeitORTE Kulturcoupons-App kann man von Rabatten profitieren. 2 für 1 Museumseintritt, Ermäßigungen für Stadt- und Erlebnisführungen, Rabatte im Souvenirshop oder auch mal ein Stück Kuchen gratis – das sind einige Aktionen, die sich unsere Partner ausgedacht haben. Und jeden Monat gibt es neue Gutscheine, die dazu einladen, die zeitORTE und das Braunschweiger Land immer wieder neu zu entdecken.

zeitORTE sind in den Sozialen Medien (vor allem auf Facebook und Instagram) sehr aktiv, du selbst bist in einigen Videos und auf Fotos zu sehen. Ist es dir wichtig, eine persönliche Nähe aufzubauen und auch eine jüngere Zielgruppe anzusprechen, um diese von Geschichte zu begeistern?

Kultur und Geschichte kämpfen mit dem Vorurteil, langweilig zu sein. Aber das sind unsere zeitORTE ganz und gar nicht. Mir ist es wichtig, auf unseren Social Media-Kanälen authentisch zu sein und zu erzählen, was es Spannendes zu entdecken gibt. Das funktioniert am besten, wenn ich mich auch zeige und von meinen Erfahrungen berichte. Außerdem ist bei allen Beiträgen ein kleines Augenzwinkern dabei – das Feedback der Community auf diese Beiträge ist immer sehr positiv und das freut mich natürlich sehr!

 

Stand: Juni 2020