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Wenn nichts bleibt, wie es ist..

Neue Zeiten brechen an – auch in der Architektur

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Schloss Marienburg in Pattensen bei Hannover
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Schloss Marienburg in Pattensen bei Hannover

Wenn nichts bleibt, wie es ist..
… sehnt sich so mancher nach Vergangenem zurück. Genauso geht es Königin Marie, als sie 1857 von ihrem Gemahl, König Georg V. von Hannover, zum 39. Geburtstag ein Schloss geschenkt bekommt – das allerdings erst noch gebaut werden muss. Die Monarchin wünscht sich vom Architekten Conrad Wilhelm Hase eine Trutzburg nach mittelalterlichem Vorbild. Hase, einer der berühmtesten Baumeister seiner Zeit, kann der Königin den Wunsch schlecht abschlagen, auch wenn er selbst architektonisch in anderen Kategorien denkt – was er unter anderem mit dem Bau des Künstlerhauses und der Christuskirche in Hannover beweist. Folglich entsteht in den nächsten zehn Jahren eine Residenz im neugotischen Stil, die Marienburg. Der achsensymmetrische Grundriss, bei dem vier Gebäudeflügel um einen geschlossenen Innenhof stehen, der wiederum von einem hohen Bergfried überragt wird, erinnert an klassische Bauten des Barocks. Um die Anmutung einer historischen Burg zu erzielen, lässt Hase Türme mit Schießscharten und zinnenbewehrte Mauern mit mächtigen Torbauten errichten. Natürlich dürfen auch ein Burggraben mit Zugbrücke und Fallgitter nicht fehlen. Da es aber eigentlich recht ruhige Zeiten sind, dienen die „militärischen Anlagen“ ganz friedlichen Zwecken: Mächtige Bastionen bewähren sich als Eiskeller, hohe Wachtürme werden zu Volieren oder dienen als Stall für die Lieblingsziegen des Königshauses.   

Hannovers Wahrzeichen entsteht
Nicht für Könige erbaut, aber in seiner wilhelminischen Prächtigkeit eines Königs durchaus würdig, präsentiert sich das Neue Rathaus in Hannover. Mit seiner eklektizistischen Bauweise ist es ein Paradebeispiel für einen typischen Architekturstil des Historismus: die Kombination verschiedener Elemente aus mehreren Epochen in einem neuen Bauwerk. Bemerkenswert ist auch das „Fundament“ des 1913 fertiggestellten Baus. Denn weil das Bauland feucht und nicht sehr tragfähig ist, lässt Architekt Hermann Eggert das Rathaus kurzerhand auf 6026 Buchenpfähle stellen. Sogar finanziell betrachtet ist der Bau eine Meisterleistung.
„Zehn Millionen Mark, Majestät – und alles bar bezahlt“, verkündet Stadtdirektor Heinrich Tramm, als das Neue Rathaus von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht wird. Eine stolze Summe, wenn man bedenkt, dass eine Übernachtung im Luxus-Hotel „Luisenhof“ damals gerade mal 2,25 Mark kostet.

Von der Schuhleiste zum Weltkulturerbe
Weniger ums Geld als vielmehr um einen lebensreformerischen Anspruch gepaart mit amerikanischer Unternehmensphilosophie ging es dem Schuhleisten-Fabrikanten Carl Benscheidt, in dessen Auftrag 1911 ein heutzutage weltweit beachtetes Industriedenkmal entsteht: das Fagus- Werk in Alfeld an der Leine. Die oft als Ursprungsbau der Moderne bezeichnete Fabrikanlage gehört längst zum UNESCO-Weltkulturerbe. Deutlich erkennbar ist die architektonische Handschrift Walter Gropius‘, dem Begründer des Bauhauses: eine klare kubische Form, Vorhangfassaden aus Glas und die „offene Ecke“, die den Beginn der Skelettbauweise markiert. In Summe entsteht ein Bauwerk, das durch Leichtigkeit und Transparenz besticht und damit einen bewussten Gegensatz zum bisherigen Steinziegel-Fabrikbau darstellt. Heute steht das wegweisende Werk Besuchern offen und bildet immer wieder einen besonderen Rahmen für musikalische und andere kulturelle Veranstaltungen – wie etwa die Internationalen Fredener Musiktage.

Kunstvolles für Auge und Ohr
Ganz im Zeichen der Kultur steht die Kunsthalle in Emden, Ostfriesland. Das im ortstypischen Klinker gehaltene Gebäudeensemble wird 1986 von Henri Nannen, seines Zeichens ehemaliger Herausgeber und Chefredakteur des Sterns und passionierter Kunstsammler, in Auftrag gegeben und vom Architektenpaar Friedrich und Ingeborg Spengelin aus Hannover entworfen und umgesetzt.

Nannen spendet sowohl sein gesamtes Vermögen als auch seine eigene umfangreiche Kunstsammlung mit Bildern und Skulpturen vor allem aus der Zeit des Expressionismus und legt so den Grundstein für ein weit über Niedersachsens Grenzen hinaus bekanntes Museum. Nach einer weiteren Schenkung, dieses Mal vom Münchner Galeristen Otto van de Loo, ist ein Ausbau des Ursprungsgebäudes unumgänglich. Seit 2007 präsentiert sich die Kunsthalle in moderner Architektur mit einheitlichem Baukörper und tritt in ihrer Horizontalität in Korrespondenz zum vertikalen „Turm“ der Malschule. Besonders interessant für alle, die neben bildender auch musikalische Kunst zu schätzen wissen: Im Zuge der Umgestaltung des Atriums entstand ein moderner Veranstaltungssaal, der oft als Schauplatz für hochkarätige Konzerte dient.

Ein Traum wird wahr
„Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist es der Anfang einer neuen Wirklichkeit.“ Dieser Ausspruch des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser passt in seiner Symbolik perfekt zu einem der wichtigsten Großprojekte des gebürtigen Wieners: dem Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen. Einer allein hätte die umfangreichen Umbauten, Erweiterungen und ästhetischen Ergänzungen des 1888 im wilhelminischen Baustil errichteten Ursprungsbahnhofs schwerlich realisieren können. Über Jahrzehnte hinweg wurde der ursprüngliche Bau ohne besonderes Augenmerk auf die Architektur den jeweiligen Bedürfnissen angepasst und ist schließlich zu einem wenig repräsentativen Zweckbau verkommen. Um dies zu ändern, formiert sich der „Bahnhof 2000 Uelzen e. V.“, dessen Umbau-Konzept 1999 als weltweites Projekt der EXPO 2000 anerkannt wird. Es folgen diverse Sanierungsmaßnahmen: Die historische Bauhülle des Bahnhofsgebäudes wird wiederhergestellt und störende Aufbauten werden entfernt. Und durch eine Verglasung der Dächer und Kopfbereiche erhält auch das Tageslicht wieder Zutritt zum Gebäude. Auffälligstes Stilmittel aber sind die für Hundertwasser – beziehungsweise Friedrich Stowasser, wie der Künstler mit bürgerlichem Namen heißt – typischen farben- und formenfrohen Verzierungen, die sich erfolgreich jeglicher Normierung entziehen. Fürwahr ein Traum …

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