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Ewerharzerisch

die Oberharzer Mundart

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Morgenbrodsthaler Graben
© Ulrich Wehmann

NUR FÜR ARTIKEL EWERHARZERISCH!!!!

Die Oberharzer Mundart ist ein Zusammenbau mehrerer Dialekte. Die Menschen, die ihre Sprachen in den Oberharz brachten, waren herzoglich angeworbene Bergleute für den neu aufflammenden Bergbau des 17. Jahrhunderts. Die Oberharzer Mundart wird selbst in den sieben ehemals freien Bergstädten abgewandelt gesprochen. Es kam bei der Entwicklung stark darauf an, aus welchen Teilen Deutschlands oder Europas die Einwohner der Bergstädte überwiegend kamen und welche Tätigkeiten sie in dem Bergbausystem ausübten, so sprachen Holzfuhrleute aus der Magdeburger Börde anders als Bergleute aus Franken oder Sachsen, Südtiroler Tunnelbauer wieder anders als adlige Berghauptleute aus dem niedersächsischen Hochadel. Aber alle arbeiteten äußerst erfolgreich zusammen im Revier Oberharz und alle sprachen den gleichen Dialekt: Oberharzer Mundart!

Die Altenauer Mundart klingt für hochdeutsche Ohren genauso fremd wie orthografisch falsch.
Das Beispiel:
„… mei Friedhelm is dich wie ahne Daube iebr dr Schanz wack jefluhng un is jenah mitn Rachn in de Bahmers jeschprunge !.“ beschreibt den Altenauer Skispringer Friedhelm, taubengleich von einer Sprungschanze direkt in den Wald springend. Das „g“ ersetzende „j“ und das nasal langgezogene „a“ in „ahne“ werden im Vorharz, besonders im Eichsfeld, gesprochen.

In der St. Andreasberger Mundart findet man alemannische Ausdrücke: das hochdeutsche Wort „ob“ heißt dort „eb“, also „ob es schneit“, heißt „ebs schneit“.

Die Clausthaler Mundart ist, durch die sprachlichen Gepflogenheiten der adligen Berghauptleute, ihrer Administration, den Wissenschaftlern der Bergakademie, den Bergrichtern und Bergärzten französisch angehaucht. Der französische Anteil lässt sich am besten noch an folgendem Beispiel darstellen:
Das deutsche „ei“ wird im Oberharz wie im Französischen gesprochen, z.B. heißt das (Hühner-) Ei im Oberharz „(Hiehnr)-Ä. Der Rest in einem Glas ist „ähne Nähch“, eine Neige, oder in der Mehrzahl „de Nähng“, die Neigen. Das „ei“ im französischen Wort „Neige“ (Schnee) wird „Nähsch“ ausgesprochen und entspricht so im Tonfall der Oberharzer Mundart. Der Fußweg vor dem Haus im Oberharz heißt „Trittoir“, ein sprachlicher Zusammenbau aus dem deutschen „Tritt“ und dem französischen „Trottoir“, dem Fußweg.

Eine sprachliche Eigenart der Oberharzer Sprache ist auch das Weglassen des Endbuchstabens „e“, so heißen Kühe „Kieh“, Strümpfe „Schtrimp“, die Leute „de Leit“, Freude „Frähd“, Stange „Schtang“, die Wiese „Wies“, usw. Diese sprachliche Eigenart der Oberharzer Mundart ist noch in dem heute aktuellen Mix aus Hochdeutsch und Mundart gebräuchlich, indem die Kühe „Küh“, die Strümpfe „Schtrümp“, die Leute „Leut“ usw. gesprochen werden.
In den platten Küsten- und Moormundarten wird das „e“ besonders betont, im Oberharz „wärds wackgelohßn“, weggelassen.

Die Oberharzer Mundart ist hart, direkt, schnörkellos und klingt für Nicht-Oberharzer zuweilen ordinär. Die Oberharzer Mundart ist keine Diskutiersparche. Sie lässt sich nicht interpretieren.

Der Gelehrte Bernhard von Rohr (1830) beschrieb in seinem Buch „Merkwürdigkeiten im Oberharz“, dass schon die Kinder wenig Respekt zeigten, des Weiteren seien die Bewohner in ihrer Sprache ordinär und hart, eigentlich würde er von einer Reise in den Oberharz abraten.
Der Oberharzer Arzt und Nobelpreisträger für Medizin (1905), Dr. med. Robert Koch, sprach diese Mundart genau wie der Oberharzer Heimatdichter und Illustrator Karl Reinecke (1933).
In den Jahrhunderten wurde aus vielen Dialekten langsam die Oberharzer Mundart „es Ewerharzerische“, das Oberharzerische.

Das ist der Oberharz, seine Bewohner und deren Mundart. Zu allen Jahreszeiten eine Reise wert!
 

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