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In Hildesheim erleben nicht nur Rosen eine Blütezeit

Marmor, Stein und Eisen bricht – aber nicht in Niedersachsen..

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Hildesheim: Michaeliskirche - ein UNESCO Welterbe
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Hildesheim: Michaeliskirche - ein UNESCO Welterbe

In Hildesheim erleben nicht nur Rosen eine Blütezeit
Wir befinden uns im Jahre 1010: In Hildesheim wird der Grundstein für einen der schönsten frühromanischen Bauten Deutschlands gelegt – die Michaeliskirche. Bauherr ist kein Geringerer als der 1192 heiliggesprochene Bischof Bernward, ein Lehrmeister von Kaiser Otto III. Zum Dank für seine Dienste erhält Bernward einen Splitter des Heiligen Kreuzes. Der kostbaren Reliquie zu Ehren entsteht ein Schlüsselwerk der mittelalterlichen Baukunst, das heute ebenso wie der 1046 erbaute Hildesheimer Mariendom mit dem 1000-jährigen Rosenstock zum UNESCOWeltkulturerbe gehört. Der Grundriss der doppelchörigen Basilika besticht durch seine strenge Symmetrie, und der den Aufriss des Mittelschiffs bestimmende Stützenwechsel ist eine der erfolgreichsten Erfindungen der ottonischen und romanischen Baukunst. Auch der Blick nach oben lohnt sich: Das monumentale Deckenbild aus dem 13. Jahrhundert zeigt den Stammbaum Christi. Übrigens: An Bernwards Grab in der Krypta der Michaeliskirche erhielt der Legende nach ein blindes Mädchen sein Augenlicht zurück.

Des Kaisers musikalischer Hochsitz
Etwa 60 Kilometer weiter südöstlich ist im ersten Drittel des 11. Jahrhunderts ebenfalls eine rege Bautätigkeit zu beobachten, die fast tausend Jahre später wiederum zur Verleihung des Weltkulturerbe-Titels führt: In Goslar entsteht im Auftrag von Konrad II. die Kaiserpfalz. Prägender Bauherr ist einer der bedeutendsten Baumeister seiner Zeit, Benno II., der spätere Bischof von Osnabrück. Das Kaiserhaus am Fuße des Rammelsberg ist Deutschlands ältester und mit seiner Grundfläche von 54 mal 18 Metern größter und zugleich auch besterhaltener Profanbau des 11. Jahrhunderts. Sein Zentrum stellt der zweigeschossige Saalbau dar, der noch heute einen fürstlichen Rahmen für exquisite Konzerte bietet. An seiner Westwand stand der kaiserliche Thron – der allerdings schwindelfreien Regenten vorbehalten war: Er befand sich in sieben Metern Höhe.

Gut gebrüllt, Löwe
Ob Heinrich der Löwe zu den schwindelfreien Monarchen zählte, ist nicht überliefert. Dass er im Jahre 1173 als Herzog von Sachsen und Bayern auch Braunschweig regiert, sehr wohl. Seinem Beinamen entsprechend wünscht er, eine imposante Kirche sein Eigen zu nennen. So entsteht der Braunschweiger Dom, der – nicht zuletzt wegen seiner mit romanischen Kunstwerken geschmückten Basilika – nach wie vor zu den herausragenden Domen Deutschlands zählt. Die Westseite des monumentalen Bauwerks steht in der Tradition des „sächsischen Westriegels“, bei der die Dominanz des querrechteckigen, das Langhaus überragenden Baukörpers die Vormachtstellung des Herrschers versinnbildlicht. Die Ostfront des Doms ist geprägt von typisch romanischen Elementen: geometrische Körper und schlichte Flächen, eingefasst von pfeilartigen Mauerstreifen und durchbrochen von Fenstern. Das im 13. Jahrhundert eingefügte Dreipassfenster im östlichen Joch verweist auf die Grabstätte Heinrichs und seiner Gemahlin Mathilde, einer englischen Königstochter. Unbedingt sehenswert ist auch das legendäre „Löwenportal“, das letzte erhaltene romanische Portal Deutschlands. Die tiefen Kratzspuren darin sollen angeblich vom Haustier Heinrichs stammen: einem Löwen. Wahrscheinlicher ist aber wohl, dass sie durch das im Mittelalter verbreitete „Sandauskratzen für Heilzwecke“ entstanden.

Johann Sebastian Bach greift in die Tasten
Auch in Niedersachsens nördlicher Region ist man geschäftig: 1289 beginnt in Lüneburg der erste Bauabschnitt eines wegweisenden Gebäudes, das zum Vorbild für viele gotisch geprägte Hallenkirchen in Norddeutschland werden sollte – die St.-Johannis-Kirche mit nahezu quadratischem Grundriss. Mit ihren fünf Kirchenschiffen bot sie Platz für 39 Altäre, darunter der noch heute zu bestaunende Hochaltar mit Gemälden Hinrik Funhoffs. Ebenso sehenswert ist die prächtige Barockorgel der Kirche, auf der der junge Johann Sebastian Bach das Orgelspiel erlernte.
Und wenn Sie schon mal in Lüneburg sind, sollten Sie auch der St.-Nicolai-Kirche die Ehre erweisen. Die 1407 bis 1440 erbaute Schifferkirche im Wasserviertel der Stadt ist ein beeindruckendes Monument schlichter und erhabener Gotik.

Abwarten und .. Orgelmusik genießen
Apropos „beeindruckend“: Dass die Ostfriesen nicht nur über eine exquisite Teekultur verfügen, sondern auch schon seit Jahrhunderten hervorragende Baumeister sind, wird imposant von der im Jahre 1455 vollendeten Ludgerikirche bezeugt. Der romanisch-gotische Sakralbau schmückt mit seinem frei stehenden Glockenturm den malerischen Marktplatz der Stadt Norden und ist zugleich die größte Kirche Ostfrieslands. In seinem Inneren birgt das Gotteshaus neben zahlreichen sakralen Devotionalien einen wahren musikalischen Schatz: eine Orgel des Orgelbaumeisters Arp Schnitger aus dem 17. Jahrhundert. Noch heute zählen Schnitgers Instrumente weltweit zu den besten überhaupt und zeugen vor allem in Nordwestdeutschland von der herausragenden Güte barocken Orgelbaus.

Architektonische Friedensstifter
Etwas weiter südlich geht es weniger beschaulich zu: In Osnabrück ist man nicht erst seit den Zeiten des 30-jährigen Krieges (1618 – 1648) an Turbulenzen gewöhnt. Aber man versteht sich auch aufs Friedenstiften. Zumal wenn dies in einem Bauwerk wie dem im spätgotischen Stil gehaltenen Rathaus vonstattengeht. Das 1512 nach 25-jähriger Bauzeit fertiggestellte Gebäude wird folgerichtig auch Rathaus des Westfälischen Friedens genannt. Von außen beeindruckt vor allem das 18 Meter hohe Walmdach, das bereits die Hälfte der Gesamthöhe des Gebäudes ausmacht. Im Inneren lassen sich zwei besondere Kostbarkeiten der Schatzkammer bestaunen: der Kaiserpokal und die älteste erhaltene Schützenkette, beide aus dem 13. Jahrhundert. Ein echtes architektonisches Schmuckstück ist übrigens auch der Dom St. Peter, dessen schlanker Nordwestturm mit den rundbogigen Fensterbändern zu den schönsten romanischen Türmen in Deutschland zählt.

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