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Alles unter Dach und Fach

Willkommen in der Blütezeit des Mittelalters

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Schloss Hämelschenburg
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Schloss Hämelschenburg

Alles unter Dach und Fach

Wo steht das wahrscheinlich schönste Fachwerkhaus der Welt? In Hildesheim. Und das schon zum zweiten Mal. Denn das ursprünglich 1529 als Gildehaus der Fleischer erbaute Knochenhaueramtshaus wird am 22. März 1945 bei einem Brand vollständig zerstört und durch einen Nachkriegsbau ersetzt. Doch das schlichte Gebäude gefällt den Hildesheimern ganz und gar nicht und sie lassen nicht locker, bis schließlich in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts das repräsentative Knochenhaueramtshaus in traditioneller Bauweise wiederaufersteht. „Geburtshelfer“ des mit 26 Metern erstaunlich hohen Fachwerkhauses sind u. a. 400 Kubikmeter Eichenholz und 7.500 Holznägel. Besonderes Augenmerk verdienen die vollflächigen
Schnitzereien auf dem gesamten Balkenwerk und an den Konsolen. Und wer es noch genauer wissen will, ist im Hildesheimer Stadtmuseum herzlich willkommen – das sich praktischerweise direkt im Knochenhaueramtshaus befindet.

Von Herrmann sin Burg zur Hämelschenburg

Heute nur eine Autostunde, früher eine ganze Tagesreise von Hildesheim entfernt befindet sich ein imposantes Hauptwerk der Weserrenaissance, eingebettet in eine der prächtigsten Renaissanceanlagen Deutschlands: das Schloss Hämelschenburg zwischen Hameln und Bad Pyrmont. Der Name ist abgeleitet von Hemersenburg, welches wiederum Herrmann sin Burg entlehnt ist. Das Wasserschloss wächst in 30-jähriger Bauzeit zu einem wahren Meisterwerk der Architektur heran, das schließlich um 1618 mit der Fertigstellung der beiden im italienischen Renaissancestil erbauten achteckigen Treppentürme vollendet ist. Bauherr Jürgen Klencke ist zu diesem Zeitpunkt zwar schon verstorben – hinterlässt aber als Zeichen seines unermüdlichen Schaffens neben dem Schloss auch zwölf gesunde Kinder – was zu jener Zeit schon fast an ein Wunder grenzte.

Und ewig lockt die Musik

Kein Wunder, aber eine wunderbare Sage ist der Namensgeber eines ganz besonderen Bauwerks inmitten von Hamelns Altstadt. Das ebenfalls zur Weserrenaissance zählende Rattenfängerhaus wird in den Jahren 1602/03 für den Ratsherren Hermann Arendes erbaut. Seine Fassade ist bis heute im Original erhalten und gibt mittels einer Inschrift Auskunft über ein Ereignis, dass das kleine Hameln weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt werden lässt: die Legende vom Rattenfänger. Demnach lockte ein Flötenspieler die Kinder der Stadt im Jahre 1284 durch die Bungelosenstraße aus der Stadt hinaus. Woraufhin das Spielen von Musik in dieser Straße auf ewig untersagt wurde – was auch den Straßennamen erklärt: bungelos = ohne Trommel.

Casanova und das achte Weltwunder

Lange nach dem Rattenfänger, aber noch vor dem Bau des Rattenfängerhauses, wird in Wolfenbüttel der ideelle Grundstein für das achte Weltwunder gelegt. Zumindest wird die Herzog August Bibliothek im 17. Jahrhundert so genannt, schließlich ist sie nicht nur die größte und umfangreichste Bibliothek nördlich der Alpen, sondern beherbergt unter anderem das Evangeliar Heinrichs des Löwen (entstanden um 1188). Die bedeutendsten Bibliothekare im architektonisch immer wieder umgestalteten Prachtbau mit barocken Elementen und einem wilhelminischen Erweiterungsbau waren Gottfried Wilhelm Leibniz (von 1691 bis 1716) und Gotthold Ephraim Lessing (von 1770 bis 1781), dessen Aufklärungsdrama Emilia Galotti hier entstand. Und Michael Praetorius, Kapellmeister im Dienst des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, brachte in der Herzog Ernst August Bilbliothek u.a. die drei Teile seines berühmten Syntagma musicum zu Papier. Ob allerdings Casanova – der seiner eigenen Aussage nach die schönste Woche seines Lebens in Wolfenbüttel verbrachte – Zeit fand, die Bibliothek zu besuchen, ist leider nicht bekannt.

Musikalische Ritter

Als gesichert angesehen werden darf, dass der Rittersaal auf Schloss Iburg Casanova besonderes Vergnügen bereitet hätte. Schließlich ist er ein bis heute erhaltenes exzellentes Beispiel perspektivisch gemalter Scheinarchitektur aus dem 17. Jahrhundert. Heute macht der Saal nicht nur optisch, sondern auch akustisch von sich reden: Er gibt klassischen Konzerten einen ehrwürdigen Rahmen.
Die Doppelanlage aus ehemaliger Ritterburg und Kloster selbst geht bis ins 11. Jahrhundert zurück und wurde um 1610 auf Veranlassung von Fürstbischof Philipp Sigismund zu einer reich gegliederten und architektonisch abwechslungsreichen Schlossanlage umgestaltet. Und wer von Schlössern aus der Zeit des Barock einfach nicht genug bekommen kann, dürfte auch am Herzogschloss in Celle, am Kleinen Schloss in Wolfenbüttel und am Schloss Bückeburg Gefallen finden …

Barock im grünen Gewand

Dass der Barock architektonisch nicht nur in Form von Schlössern eine gute Figur macht, beweisen eindrucksvoll die Herrenhäuser Gärten in Hannover. So zählt der Große Garten mit seiner kunstvoll angelegten Gestaltung mit klarer Regelmäßigkeit und strenger Symmetrie noch heute zu den bedeutendsten Barockgär-ten in Europa. Das 1638 von Herzog Georg von  Calenberg zunächst als Küchengarten angelegte Areal wird von dessen Sohn zum Lustgarten umgewandelt. Es folgen weitere Umbauten und Erweiterungen, die im Wesentlichen auf Kurfürstin Sophie, Ehefrau von Herzog Ernst August, zurückgehen, welche heute noch als übergroßes Monument inmitten des Gartens thront. Sie veranlasste unter anderem den Bau der Großen Kaskade und der Grotte. Letztere wurde anlässlich der EXPO 2000 von der französischen Künstlerin Niki de Saint-Phalle komplett umgestaltet und ist allein schon einen Besuch des Großen Gartens wert.
Aber zurück zu Sophie: Sie wünschte sich eine Fontäne – und zwar die höchste in ganz Europa. Ein schwieriges Unterfangen, das erst mithilfe des Universalgenies Gottfried Wilhelm Leibniz umgesetzt werden konnte. Durch Aufstauen der Leine erzeugte er den nötigen Druck, um das Wasser in damals unglaubliche 35 Meter Höhe zu schleudern.

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