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Niedersachsen ist tonangebend

Hier spielt die Musik!

Die besondere Leidenschaft für alles Musikalische ist im zweitgrößten Flächenland
Deutschlands bereits seit Jahrhunderten verwurzelt. Eine kurze Revue in Superlativen über begnadete Instrumentenbauer und geniale Musikerfindungen.

Der erste Flügel
Ein kleiner Junge aus Wolfshagen im Harz hat einen großen Wunsch: Er will das beste Klavier der Welt bauen. Den ersten Schritt dazu unternimmt Heinrich Engelhaard Steinweg (1797 – 1871) als junger Mann: Das Hochzeitsgeschenk für seine Frau Juliane ist ein selbst gebautes Klavier. Einige Jahre später, 1835, gründet der ehemalige Tischlergeselle in Seesen eine der ersten langfristig erfolgreichen Pianomanufakturen Deutschlands. Dort entsteht kurze Zeit später der erste Flügel der Welt. Im Jahr 1850 wandert Heinrich Steinweg mit dreien seiner Söhne nach Amerika aus und wird als Henry E. Steinway der berühmteste Klavierbauer aller Zeiten. Während der Vater mit dem Unternehmen Steinway & Sons Amerika erobert, führt sein ältester Sohn Theodor die Geschäfte in Deutschland weiter, Firmensitz ist inzwischen Braunschweig. 1858 wird ein ebenso passionierter Klavierbauer wie Musikalienhändler zum Teilhaber: Georg Friedrich Carl Grotrian. Der Name Grotrian-Steinweg steht noch heute für höchste Klavierbaukunst – und für eine der ersten Nachwuchsförderinitiativen Deutschlands, den 1954 erstmals ausgetragenen Grotrian-Steinweg Klavierspielwettbewerb.

Die erste Geige
Als Carl Rautmann 1844 in Braunschweig die erste Geigenbauerwerkstatt Deutschlands eröffnet, legt er den Grundstein für eine über fünf Generationen erfolgreiche Familientradition, die erst mit dem Tod Elfi Rautmanns 2008 zu Ende geht. Elfi, einst jüngste Geigenbauerin Deutschlands, erlangt mit ihren meisterhaften Streichinstrumenten schnell einen weltweiten Ruf. Ausnahmeviolinisten wie der Russe Michael Goldstein gehören zu ihrem treuen Kundenkreis. Aber auch für Schüler der städtischen Musikschule und Mitglieder des Jugendsinfonie- Orchesters hat sie stets ein offenes Ohr – denn in jedem Instrument, das sie baut oder repariert, sieht sie den Menschen vor sich, der es spielt und liebt.

Der erste Acrylglaskorpus
Die Stadt Braunschweig ist Spielstätte einer weiteren musikalischen Familien- und Firmengeschichte, an deren Ende der größte Klavierbauer Deutschlands steht. Die Anfänge liegen allerdings im Osten: Keine zehn Jahre nach der Firmengründung durch Wilhelm Schimmel 1885 in Leipzig verlässt bereits das 1000. Instrument die Schimmel Pianofortefabrik. Sohn Wilhelm Arno verlagert das Werk 1929 aus wirtschaftlichen Gründen nach Braunschweig. Ende der 1950er Jahre verkauft keiner mehr Instrumente in alle Welt als der Pianobauer Schimmel, und auch heute entstehen bei Schimmel die meistgespielten Flügel und Klaviere aus deutscher Fertigung. In den 80er Jahren erlangt ein besonderes Instrument legendäre Berühmtheit: der Acrylglasflügel K213 – das erste Instrument dieser Art, dessen Prototyp bereits 1951 entsteht und akribisch weiterentwickelt wird. Udo Jürgens spielt darauf für ein Musikvideo in 3454 Metern Höhe auf dem verschneiten Jungfraujoch. Beide, Flügel und Jürgens, wurden für diesen Show-Act eigens mit einem Helikopter eingeflogen.

Die ersten Tonträger
Schellackplatte, Langspielplatte, Musikkassette und CD – sie alle starten ihren weltweiten Siegeszug in Niedersachsen. Als der hannoversche Erfinder Emil Berliner 1887 mit einer Nadel Schallschwingungen in gewachste oder geätzte Zinkplatten ritzt und damit Töne aufzeichnet, ist die Schellackplatte geboren. Als Wiedergabegerät entwickelt der geniale Tüftler zugleich das Grammophon. Sein geschäftstüchtiger Bruder Josef gründet elf Jahre darauf die Deutsche Grammophon Gesellschaft, seit 1972 bekannt als PolyGram. 1951 sorgt der Nachfolger der Schellackplatte für weltweite Furore: die Langspielplatte aus Kunststoff. Auch sie stammt, ebenso wie die 1965 in Serie gegangene Musikkassette, aus der Ingenieurschmiede der Deutschen Grammophon Gesellschaft. Beide Entwicklungen werden 1982 von einer weiteren bahnbrechenden Erfindung aus dem eigenen Hause abgelöst: der Compact Disc, kurz CD. 130 Tontechniker haben sie über Jahre hinweg entwickelt – die maximale Wiedergabedauer von 74 Minuten soll dabei auf den Herzenswunsch Herbert Karajans zurückgehen, die CD möge ausreichend Platz für sein Lieblingsstück bieten: Beethovens Neunte Symphonie.

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